ich bin davon überzeugt,

dass wir im Augenblick unseres Sterbens uns als Liebe über die Welt ergießen.

Dass es uns zerschmettert an den Schellen der Wirklichkeit, und wir in Tausend Teile Liebe explodieren.

Daher glaube ich, wenn mich auch immer ein Anfall von Weltverehrung, Dankbarkeit und Jauchzen zugleich überkommt, diese unerklärlichen Lichteinschübe von barem Glück, dass da jemand eben stirbt und das All mit seiner Substanz anreichert. Das All wird dann weich und geschmeidig wie Humus und gebiert vor Freude und Gegenglück einen neuen Stern. Deshalb dachten die Alten wohl, unsere Seelen lebten als Sterne am Himmel …, weiter. Die Power eines gelebten Lebens, einer Seele, die nach getaner Arbeit exkarniert, ist so dynamisch, so hell und klangvoll, dass sie die Urtöne vibrierend begleitet.

Wir verändern allerorts, zu allen Zeiten, durch Intensität die Urtöne des Alls. Ich habe es mehrfach gespürt, wenn Menschen starben, deren Angesicht ich wahrgenommen hatte, dass mich zeitgleich, ohne Wissens, am anderen  Ende einer unbesprochenen Leitung eine Welle aus unsagbarem Glück erwischte. Und ne ganze Weile trug.

Heute auch. Heiter war mein Tag, obwohl ich wusste, dass sie stirbt. Unsere Welt ist gekoppelt aber unverbunden an die andere, die Gesetze sind unbekannt. Ich war high und diesseitig und am Abend hochklar und beherzt und hab meine Menschlichkeit herzvoll erfahren,

da erreichte mich mitten im seligen Tun die Nachricht von ihrem Tod.  Das war wie zusammengesponnen und folgerichtig, und ich war, ohne diesen Umstand zu kennen, von einer glanzvoll sicheren und feiernden Hand begleitet.

Also, meine Liebe: wo immer du jetzt bist …, dein Leben hat uns gesegnet. Wir danken dir, wir alle, die mit dir und deiner heiteren, kopfbunten, freiräumigen Gestalt Umgang haben durften. Du hast uns angereichert, geadelt und bejaht. Ein jeder trägt in sich die Information von Souveränität, Klarheit, Gewissheit und Freiheit, die er mit dir teilte.

Ich danke dir innig und erfüllt, meine Freundin gewesen zu sein, mich gemocht, beschützt, bewundert und respektiert zu haben. So wie ich dich auch. Wir hatten hier eine gute Zeit, und ich freue mich diebisch, wie eine, die hier noch einen weiteren Tag zugestanden bekam, aber weiß, alles auf Deckel, ich freue mich darauf dich zu treffen, droben im Seelencafé, in den Zwischenphasen unserer Inkarnationen oder Downloads, und dort mit dir zu lachen.

Ein wenig darf ich mir wünschen, dich dabei so vorzufinden, wie ich dich hier verließ: königlicher Schopf und angeborene Krone. Die schönstgekleidete Frau, die ich je sah. Eine Couturière.

Dass du dich heute in die luftleeren Weiten hinauskatapultiert hast und wir demnächst deine Hülle noch einmal ehren werden, ist eine für mich heute fast verblassende Tatsache. Dass ich dich kennenlernen durfte, in all deiner Reinheit, ist unser Geschenk. Und du hast mich im Gehen noch angeleuchtet.

Große Verneigung.

*

Wenn wir also sterbend so viel Glück, Gewahrsein, Dasein und Durst verströmen können,

spricht nichts dagegen,

dass wir es lebend

auch tun.

*

Gute Nacht.

doppeltes nicken

an dieser stelle vermerke ich im hinblick auf ein denkbares später, dass die texte,

die ich unten mit  >mm< versehe, auch in einem anderen forum erscheinen.

die, die unten nur oder auch >ll< stehen haben, sind nur ausdrücklich gezeichnet, also via unterschrift betont.

die, unter denen nichts steht, tragen nur  keinen imprint, stehen aber unter derselben autorenschaft.

 

*

 

das kognitive echo des jetzt, würde es hörbar, es hätte massive konsequenzen für unsere tatenlust. ob lähmend oder beschleunigend, sei die variable.

in dauertrance des gewahrseins verharren aber auch.
so bleibt nur übrig die einzelnen sich abspulenden augenblicke so wachsam wie möglich mitzublinzeln, auf dem grat zwischen hier und dort balancierend.
während in bereinigten jetzt-philosophien, im zen etwa, eher das diesseitig inkonstante isoliert wird, bieten die mit dem jenseits laborierenden religionen einen ausweg in eine prospektive konstante ewigkeit.

so, wie ich ihn hier schrieb, wird dieser text kein zweites mal entstehen. nicht heute, nicht an diesem tisch, nicht in diesem forum. daher verabschiede ich ihn.

 

mm-ll