an – genommen,

man will sich ein dingens, ein badezimmermöbelstück, eine schubladenkommode kaufen, robust und langlebig und leichtgängig, und man blättert hierzu in den beilagenblättern der tageszeitung, also im aktuellen werbeangebot.

dann findet man ja allerhand, sogar brauchbares, feines, entsprechendes. der sicht nach ohnehin. haptisch noch unbeurteilt, bieten sich die dinge nach optik und maß an und könnten gefallen.

mit gefallen sie so gut wie nie. und nach befühlen, laden aus- und einfahren, daran schütteln und schieben, erst recht nicht,

weil die, die nach meinem budget sind, spätestens beim taktilen date sich als fake entpuppen. da eiern klapprige hohlorgane an die wände runzligen gewebes, spreisel, kantenhölzchen und wackelboden taumeln endzeitig in labilen schneisen und wenn das ding zu ist, bekommt  man es nur durch rempeln wieder frei.

solche dinger habe ich jetzt mehrfach angerüttelt, in letzter zeit. ich dachte, was neues, ungebrauchtes soll her.

 

aber ich kam vom gedanken ab, so wie ich in letzter zeit überhaupt vom gedanken abkomme, dafür zu bezahlen, dass ich zuhause sondermüll aufstelle, der kein einziges katzenleben durchhält und nicht auf allen vieren fallen kann, sonst birst es.

ich will nicht täglich daran erinnert werden, dass ich für lau ein objekt kaufte, das spätestens in fünfzehn  jahren kaputt und irreparabel ist und das dann die nachkommenden erdlinge für mich sauerstoffzehrend verbrennen müssen. ich lass das stehen, dachte ich mir.

 

(im übrigen, mit den neuen funktionsflächen, oder wie die heutigen lümmelsofas heißen, diese opulenten therapieliegen, die das synchrone display-fingern einer vierköpfigen family samt senner beim werbeklickfernsehen beerbergen müssen: mit denen geht es mir genauso. ich denke dann, gut, man hat also sechshundert kilo vielfältigen einstigen abfalls in der wohnung, den man nun ein paar jahre vollmilben kann, eh er zu rauch entsteigt. ein räucherstäbchen ist es nicht.)

 

dann entdeckte ich  im keller eine schubladenkommode. anfang der achtziger gebaut, zu einem damals mittelwertig preisgünstigen schlafzimmerkomplex gehörend. in … ja, hart, aber wahr: in beige und braun. nun ist es so, beige und braun stehen bei mir einzeln nicht ganz, als kombination aber sicher auf dem index. da hab ick een trauma.  optisch ist der artikel also ein no go. aber ich locke die schubladen heraus, und siehe da, sie schlittern souverän in die tiefe und bei ankitzeln wieder hervor, angenehm solide geführt, geräuscharm und weich.

hm.

da denke ich, ich nehm das und lackiere es. in weiß und schwarz oder schwarz und weiß und dazu vielleicht bunt. mit einer mosaik imitierenden deko aus lacksprenkeln, oder einer grünen liane oder strasssteinironisch oder wieauchimmer. ich rette also den funktionalen kern aus dem unzulässigen ästhetischen knast und entlasse ihn als heiltätoviert in eine höhere wirklichkeit. ich transzendiere ihn, nutzend und lobsingend.

und

ich entziehe mich dem wirbel treibsandenen konsums, wähle die option des verzichts und als belohnung gibt es die paar tage fun, wenn ich das lackiere und bemale.

wird dokumentiert.

ich bin davon überzeugt, dass upcycling die einzige tragfähige antwort auf die gegenwart ist.

wir haben keine ressourcen mehr, nur noch die medien.

ll