ab sofort

nehme ich das erfundene verb „mandeln“ in mein vokabular.

„mandeln“ ist subjektgebunden, denn nur meisen „mandeln“, und auch nur meine, erstmal. die schar blaumeisen, die morgens die gehakten brösel aufpickt, davonfliegt, bleibt, tanzt und neuerdings trinkt. es ist übrigens entzückend, wie meisen trinken. so artig, so zierlich, so sparsam. minimalmandelines nenne ich sie, nachdem ich sie eine weile mandeldamen nannte. aber dafür sind sie zu verspielt.

 

mandeln ist also eine tätigkeit, die einen engen radius hat, eine momentaufnahme. im universum wird gegenwärtig nur an sehr wenigen  orten gemandelt werden oder worden sein, nämlich dort, wo andere menschen meisen füttern und das so, wie ich hier. also habe ich jetzt patent auf „mandeln“, issklaar.

 

was mich aber im grunde, am grunde der wasserschale, die seit gestern, ob der erhöhten temperaturen, auch noch auf dem fensterbrett steht, was mich  also mehr beschäftigt, ist, dass das bloggen auch eine momentaufnahme ist. jetzt, im augenblick und im moment poste ich etwas, was morgen schon so sehr an aktualität verloren hat, dass es vom nächsten post überblendet wird. ein blog liest sich rückwärts anders als vorwärts. mitlesende bekommen einen anderen einstieg als nachlesende.

wenn ich also hier am tag x+1 etwas erkläre, was ich am tag x schrieb, ist es widersinnig, wider dem zeitfluss. ich erkläre etwas, was noch nicht stattfand.

 

mandeln ist, sofern ich rechte darauf kaufe, ein signum für jenseits der zeitlichkeit. wenn ich mandeln als verb präge, mache ich die zeit zum zeugen des tages x, an dem der begriff angemeist wurde.

isklar?

mandeln ist diesseitiges pflücken und schnäbeln. solange gemandelt wird, hält die welt still und der fuß des shiva berührt den boden nicht. indem wir verben erfinden, erfinden wir tableaus. zu unbekannten dramaturgien.

„Was möchtest du

ins Internet stellen?“

 

fragen sie mich, jedes mal, wenn ich auf „neuer beitrag“ klicke.

im angebot stehen text, bild, video, link, zitat.

ich wähle text. ich vertraue immer noch darauf, dass text lesbar ist. dass er aus sich heraus spricht, also das kon- und intertextuelle denken noch erhalten ist, ohne beipackzettel. ohne bibliophile muster, skriptorien-schmaus und bunter tinte. ich vertraue auf die kraft aneinander gereihter silben und wörter. deshalb stanze ich das hier freihändig in weiß auf schwarz. mir erscheint das leichter zu lesen und es spottet der illusion, etwas, was  „schwarz auf weiß“  stünde, sei glaubwürdiger.                                                                              es ist einerlei, die zeit nagt genauso genüßlich an beiderlei layout.

 

wenn ich meinem angestammten forum eine wirklich inspirierende option zuerkennen will, dann sage ich: diese homepage -sache.

mir gefällt das format sehr gut, bild und text zueinander und ineinander zu verweben und farben neben graphemen aufleuchten zu lassen. es ist dies der erste schritt ins multimediale, icon und symbol zu vergesellschaften. es hieß mitunter „emblem“. (man sagt heute lieber „label“ dazu, weil alles finanzökonomisch gedeutet wird. aber „emblem“ ist reine kartographie, mit  integriertem navi, sofern man die software dazu installiert hat).

das hämmern von reinem text, ohne beigabe, wid allmählich zu einem curiosum. messages ohne icons … dienste, die bunte icons verkaufen, trarah, hattenwirschon … reine info, enthoben, isoliert, destilliert, keine geschmacksverstärker und flavours, nur der fonds. statt fertiggericht, nur essenz, ich hörte, in new age – hotels serviert man zu feiern „tomaten-essenz“, ne art exsudat aus pomodores, durchsichtig und schmackhaft. klingt, ehrlich gesagt, krampfig, großmannsküchenprotzenhaft, aber da ist was dran, was nur noch eingedampfte botschaft enthält.

 

deshalb gefällt mir das reine an diesem layout. ich wuchs noch mit lettern auf, die letter ist mein fetisch. sie ist gottgleich, weil unfassbar, uferlos und schöpferisch, und sie ist post-neutestamentarisch. polymorph, polyglott, polyamor und polytheistisch. die letter ist der muttermund. fährt der heilige geist der eingebung in die letter, gebiert sie worte. die, wie titanen, ihre bedeutungshorizonte an die immer nachkommenden olympioniken abgeben. na ja.

 

und darüber habe ich mir auch noch gedanken gemacht: ob ich wirklich nicht verstanden werden will, man hatte mich danach gefragt. nein, will ich nicht.

wobei diese frage nach etagen unterteilt werden sollte: im keller, souterrain, will ich das wohl, so wie es jeder grashüpfer will, jede monade. ich will resonanz, bin lebendig, ja.

aber verstanden im sinne von „gekauft“, „ratifiziert“, „akkreditiert“ …, nicht.  in der oberen etage also. was hier ent – steht ist kein mainstream. die instanzen, die mich „gut finden“ muss ich erstmal selbst „gut finden“. das ist hier kein examinierbares fach, sondern reine emanation, ausdruck von seelenpickeln und bewusstseinsplissées. wie alle äußerung, ob unmittelbar oder netzinduziert.  entlarvend, schmetterlingsflügelig, kokonett, aber unverhurt. ich buhle nicht um verständnis und nicht um applaus. was ich tue, muss ich tun.

 

manchmal träume ich von den tagen als ich schnorchelte. von der stille da unten, wo die gründler ihre kreise in den sand ziehen. von ihrer enthobenen welt, in der sonnenuhren lichter an die gründe richten und es kaum mehr zu hören gibt, als die schatten der lebenden.

in den tiefen der wasser wohnt die sagbarste stille.

gute nacht.