Sinuswellen

Es, das Leben, verläuft so. Zwischen den Hauptpolen Beinaheruhe und Faststurm, zwischen Klarheit und Konfusion, Ja und Nein. Und weil es offenbar in der unbestimmbaren neurobiologischen Bedingtheit so wie in der zellulären zugeht, nämlich nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, fluten die Pole immer mit gleicher Kraft in die Poren der Weltmembranen ein. Braut sich also eine hinreichende Polarisation zusammen, ist die Kulmination kaum aufzuhalen. Dafür darf man auch immer annehmen, dass die Entladung ebenfalls unvermeidlich ist.

So kommt es, dass im Moment die Aktivität und Diesseitigkeit in Loritanien dominieren, und es kaum Fenster gibt, die einen ausbrechenden Blick aus der Umfangenheit bieten. Ich stecke im Tun fest, und obwohl sich alles noch konzertant vom Bewusstsein und der Reflexion begleiten läßt, bleibt keine Zeit mehr etwas aufzuschreiben. Und diese Zeit wird kommen.

Ein wenig vermisse ich mein Blubberversum, muss aber meist daran vorbeigehen und mich dem stellen, was von mir verlangt wird. Immanenz, Vigilanz. Tun.

Sobald wieder das grüne Licht der Kontemplation aufglimmt, wird hier nach bestem Wissen wieder dokumentiert.

Schiff ahoi!

Wes Anderson

Ist ein Cineast; ein Kenner. Seine Filme sind Streifen für Labelfähige, für Emblematiker. Er jongliert mit Lebensweltzitaten und zieht puppenhaftend Strippen hinter Märchenkulissen archaischer Amphitheater.

Stets beinahe –  unberirrt von den Erynnnien, stabwandern seine Figuren über die wundersamen Reime wie echte Helden: namenlos und ergeben. Die Stories auch: jede Bewölkung durch agile Wechsel und feinsinnigen Schnitt und Schritt paraphrasierend und spiegelnd.

Nicht weil eine bemerkenswerte Crew mitmacht an diesem Monty Python – Enkelkind, bleiben die Figuren einem wie Anverwandte erhalten, sondern weil ihr Kern so fruchtfähig durchscheint; Es könnte sie Werweißwer spielen, ihre Potenz erhalten sie aus der unmittelbaren, aber subtilen, chiffrierten Infoschleife. Die Stars erweisen da nur Reverenz, und wer Anderson auf die Schliche kommt, kann nur darüber grinsen, dass diese schauspielerische Hochliga bei ihm so viel Spaß hat.

Wer dann aber an der Seite von Gene Hackman und Anjelica Huston durch den Park geht und ihrem Dialog lauscht, der weiß sich wiegenweich auf dem Planeten seiner Zeit aufgehoben. Anderson ist Zeitdoktor, er  heilt Geistwunden einer bestimmten Epoche und ganz gerne die seiner Kindheit.  Die „Royal Tenenbaums“ sind eine Hommage an eine bestimmte Generation,  nämlich die seines Geburtsjahres und drumherum. Britisch dem Style nach, metabritisch (deshalb wohl diese Brise von „Leben des Brian“ – Land her), den Zuschauer sowohl fordernd als auch in Ruhe lassend, sowohl identifikatorisch als auch verfremdet. Man kann es sich aussuchen, w i e  man die Filme ansieht, es steht frei und aus dem Regiestuhl ist nur Glucksen zu hören. Man hat das Gefühl, der Stab war sich einig.

In den “ …Tauchern“ geht es abgründig nach Coustodia; aberwitzige Effekte schaukeln die Überwasserstory über die Ozeane der Bedeutungen: fischhaft still und unzweideutig; wer aber hinter Unzweideutigkeit die eingewebte Ambivalenz liest, die epochale, der liest  richtig, der lacht.

Überhaupt: wunderbare Kulissen und Fotografien! Historisch unzensierte, üppige, frenetische Tableaus, Die Maske muss aufgejubelt haben, als sie sie die Figuren puderte, die Kostüme sind augenzwinkernd funkelnd in ihrer Folgerichtigkeit. Anderson lässt einen nicht darben, er daumenblättert Reinstkino der gestalterischsten Art. In „Grand Budapest Hotel“ bringt er sein Wissen um die Weltverdrahtung bisher aufs Überzeugendste zur Schau: hier vollendet sich vorerst seine Surprize-Mission zum Heimatstern unserer Jugend: er umläuft eine ältere Bahn, eine verblichene, aus dem modernen Sonnensystem ausgefranste, eine mit eleganter Sprachausübung und stahlgewehrlaufhafter Dignität. Eine, die wir nur noch aus Büchern kennen, eine, wie Stefan Zweig sie noch kannte, der das Skript befruchtet haben soll.

Anderson ist ein Biene und er macht Honig. Er wählt seine Modi nach Kriterien aus, die nur Seinesgleichen verstehen, und  er verarbeitet seine Pollen zu Heilmitteln. Die über allem thronend aufrechte Heiterkeit adelt jedermanns Drama zu einer philosophischen Komödie und initialisiert grinsend zeitnahe Aktualisierungen fast weggeklickter Software.

Hach, binfanvon.

Der Zeitpunkt ist da,

der angekündigte, da ich ältere Texte hier einkopieren will. Der Grund mag ein nicht notwendend zu erörternder sein, der Anlass ebensowenig, jedoch gedenke ich heute dem vierten Jahrestag einer Löschung.  Um zu werden, muss man erst andernorts vergehen, und damals, als ich mich am elften Dritten „siewissenschonwo“ löschte, also meinen Nick, da tat ich es, um andernorts zu schreiben.

Aber die Sucht nach dem angestammten, bekannten, gewohnten Lokalgebaren trieb mich kurz danach zurück. Und es vergingen diese Jahre mit anderen Gründungen und anderen Grenzen, so dass andere Städte erst entstehen mussten, eh ich zu meiner Kirche im Dorf zurückfand.

Ich kopiere hier also altes Material hinein; ungeordnet und nicht nachgesichtet, sparsam an den Flanken nur von Hinweisen begleitet (so aufgeblasen kann man „erklärende Titel“ auch umschreiben), lauter Fragmente, die aber genauso gelesen werden wollen. Denn es gibt keine Kohärenz, die ich hier auch wortreich verteidigen wollte, das Kursbuch berichtet von einer kurvenreichen Reise durch die vom Forum dort angesteuerten Themenbahnhöfe. Ich schrieb zum Teil als Antwort auf meine Vorredner. So kann man das sagen.

Man betrachte es als  … Feuilleton, eben. Und wem das wie Daumenkino vorkommt, und wem das Gestalt ergibt, der mag sich auf seine ganz subjektive Art an so entstandenen Zusammenhängen erfreuen.

(„MM“ ist das Selbe wie „copyright-bei-mir“).

Voilá:

der punkt

gemessen am gang der zeit
an den schritten der ewigkeit
dem glutinneren kern der blüte
dem nektar süßer süffiger güte
dem werdeweben von ebbe und flut –
und wir messen in maßen und krügen
leerer reue und voller mut –
sind die fransen am saum der gezeiten
die rauten am rand des gescheiten
ein hauch in das wolkengebilde
sand an die meisternde steinergilde
zeugenlos unberichtete lügen

gemessen an flucht und weite
ist der punkt die stehende seite
nicht mehr

(MM, am 6.10.2014)

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und wenn

und wenn ich einen finger nur senkte
auf eine deiner warmen kuppen
ihn hauchen ließe was ich höre
ihn fauchen hieße was ich schwöre

hinter den wimpern landende schnuppen

wenn atemlang nur wäre dieses neigen
und stimmlos laut das unbenannte zeigen
und sternstaub wenn sich uns verschenkte
unsere lungenflügel lenkte
sengte glutrot an unsren feuerschweifen

und wenn

das reifen

(MM, am 26.8.2014)

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Antwort auf die Forums-These, Erinnerungen an das Säuglingsalter existierten nicht:

das glaube ich nicht. das mag unser jetziger stand sein, aber ich bin davon überzeugt, dass es folien gibt, auf denen einiges älteres gedruckt wird, wir haben nur kein werkzeug, sie zu finden und zu deuten.
etliche therapie-formen und body-mind-interventionen scheinen in diesem sinne zu sprechen. und ich meine jetzt nicht rückführungen und obskure methoden, sondern befunde, die über eine organsprache und ein gewebegedächtnis nachzudenken veranlassen.
in der cranio-sakralen therapie, einem teil der osteopathie, werden phänomene registriert, die dafür sprechen. entsprechend wird von therapeuten-seite nonverbal kommuniziert, was dazu führt, dass das ergebnis, ja verbalisiert, also bedacht, nicht wirklich genau abbildet, was erfahren wurde. aber das, was dabei an info hin- und her fluktuiert, erzählt mitunter von sehr sehr frühen erinnerungen.

(MM)

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Zur These, man habe eine Beziehung ZU einem Anderen und nicht MIT einem Anderen:
Aber die Wendung „zu“ ergibt sich aus der grundsätzlichen Dynamik des Ziehens, des Zuges. Man macht Spielzüge, auf dem Wir-Brett, und geht meistens davon aus, dass der Andere das selbe Spiel kennt und spielt.
Überhaupt erliegen wir alle dem „man“, dem Universal-Claim der Sozialisierung. Daher sind Überzeugungen, wie sie hier genannt werden, nicht etwa Sachverhalte, die Über-Zeugen postulieren, sondern diejenigen, die einen sozialisierten. Also Familie, Peers und sogenannte Experten, also die Erfahrenen. Aber die Erfahrenen werden zu Beginn (des Lebens, der Gedankenbau-Werdung) nicht geprüft auf ihre Über-Zeugschaft, sondern sie werden kraft anderer Parameter ins Glauben „eingepflegt“ … (Einpflegen ist so ein lustiges Wort!). M a n sammelt die Daten, mit denen m a n später Sachverhalte deutet bei zufälligen Gelegenheiten, etwa im Modus der beiläufigen Beratung. Ein Beispiel: das junge Mädchen erfährt von der Tante / Mutter der Freundin / der Autorin des Lieblingsromans / […],
dass „man“ in „so einer Situation“ das und jenes zu denken habe: „Na, das gehört sich doch nicht …, da hätte er Ihnen doch beistehen müssen …, das macht doch die Beziehung aus …, nein, das dürfen Sie sich nicht gefallen lassen …, das ist nicht okay …“ usw, usf.
Da hat m a n als f r a u meiner Altersgruppe (jetzt) bis zum zwanzigsten Lenz etwa, bereits ein stattlich Arsenal an solchen Glaubenssätzen (ich nenne Überzeugungen lieber so), da hat man ein Credo. Und dieses Credo bewirkt und wirkt, verstrickt und verknotet, und die Aufgabe, es beständig zu überprüfen, also Zeugnis abzulegen, sich zu überzeugen, wird einem ja nicht unbedingt zwingend mitgeliefert. Also werden im Prozess, in den Be-Zügen der folgenden Jahre einige Männer aufgerieben (Ratgeber konsultiert, Psychoheinis bezahlt …), bis mit etwas Glück und guter Führung die Substanz dieser Glaubenssätze soweit aufgeweicht ist, dass sie zu höherer Mathematik taugt. Und leider ist „Minus mal Minus ergibt Plus“ keine höhere Mathematik, es ist nur ein weiterer Satz, dessen Gültigkeit und Adäquatheit noch zu bezeugen ansteht.

Wir, „man“ geht ins „Schlachtfeld der Liebe“, wie ich immer wieder lese, ziemlich unbedarft. Oder bedürftig, nach echtem Bedarf, nach echtem Bedürfnis Ausschau haltend. Die meisten unserer Wir-Spielzüge sind leere Formeln. Ich kenne Leute, die behelfen sich mit den m a n -Zahnstochern als Krücken über die vermintesten Felder. Weil sie nur die haben, weil sie kaum darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie sie gar nicht brauchten, sähen sie zuerst sich, und dann den Anderen. Beziehung also
kann, soll sie halbwegs eine Chance auf Substanz und Transport mittels Züge dieser Substanz haben, bei m i r beginnen. Von wo aus ziehe ich was wohin und wofür? Und warum (sofern das Budget für eine Tiefen-Analyse reicht).

Das w i r ist ein Konstrukt. In den meisten Fällen, und viele davon sind solche von Anwaltskanzleien. Stelle ich im Nachhinein fest, dass mein Gegenüber ein a n d e r e s Spiel spielte als ich, kann ich ihn anklagen. De facto müsste ich mich selbst anklagen, nicht nach der Über-Zeugenschaft gefragt zu haben.
Im Idealfall ist jedes neue „Wir“ ein Neubeginn der Verrechnungen. Mit offenem Ergebnis, mit eyes wide open.
Dass wir so oft im „wir“ schlittern, verdankt sich dem fundamentalen Sog, Zug, den Einbahn-Denken und sonstige Pret-à-porter- An-Züge auf uns ausüben: wir wären halt gerne Norm. Die Norm ist bestärkend und rückversichernd. Und unser aller Ego-Brunnen zum Absaufen in die Grundwasser der Sozietät.

(MM)

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Zur Gottfrage … freilich ersheint manches zusammenhangslos,  das ist es ja auch.

in einer welt, in der die ungerechten chancenverteilungen nicht wegzudenken sind, braucht es einen liebenden gott als trost. als therapeutikum.
deshalb ist gott auch dann noch liebend, wenn es zerfetzte leiber und eingetrübte gemüter gibt, und zwar nicht zu knapp. er wurde ersonnen als genau das, das fließmittel, die ausgleichsmasse. wo nichts mehr anderes hilft, setzt das gottmolekül an und ermöglicht das weiterspulen der hoffnungsschlaufe. ohne hoffnung geht es ja nicht, also hat man liebe und glaube auch gleich in denselben topf geworfen, wird ja alles mit demselben löffel verspeist.
irgendwo muss die liebe ja verortet sein; und weil wir in den seltensten fällen es fertigbringen auf dauer und zweifelsfrei liebe zu generieren, haben wir diese perpetuum-schatulle gott, in der das mysteriöse allumfassende tätige lieben wohnt.

interessant wird therapeutische auftragsarbeit via seelsorge/ psychologe etc. erst, wenn sie ohne gott auskommen muss. ne menge leute lassen sich nämlich nicht auf das repertoire ein, das hier wortreich illustriert wird. denen muss man dann etwas anbieten, was in ihnen selbst ist. und dabei riskieren, dass es keinen trost gibt, und dennoch seelenfrieden zu bergen ist. aus den tiefen des heiles. und das heilsein ist das ganzsein, wie die eso´s immer wieder mantrisch verkünden. da hat aber das konzept gott rein gar nichts damit zu tun, nicht notwendig.

(MM)

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Zur „Wahrheit“ … als Imagination.

 … aber ich würde den konsens über wahrheit nicht religiös bezeichnen, auch wenn ich meine zu wissen, warum dir nichts anderes übrig bleibt als ihn so zu nennen. wahrheit muss man glauben und wahrheit hat eine dimension von unantastbarkeit und transzendenz.
für mich ist sie ein terminus. im weiten sinne also terminal: sie bezeichnet die grenze des fragens, das ende der diskussionen.
ihre notwendigkeit ist aber erheblich höher als die des terminus „gott“, wenn sie ihn auch an vielen stellen subtituiert. ohne sie wäre gar keine orientierung möglich.
in religionsphilosophien wie dem zen haben sowohl wahrheit auch als gott rein operational abgedankt. man bewegt sich im quantenraum der koans, wo alles zugleich und gar nicht ist und im grunde auch egal, hauptsache man vergißt es. aber der mönch hat sich an die wahrheit des klostervorstandes zu richten, die wahrheit des hoffegens, und des tomatenschneidens in der küche.
die wahrheit seiner knieschmerzen beim sitzen soll er hingegen wegbeobachten.
kon-sens.

(MM)

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Zur Frage, ob es den Weihnachtsmann gebe:

Also gut: den Weihnachtsmann gibt es; genau wie Gott. Sie sehen auch ähnlich aus und wohnen benachbart, aber der dezembrige Teil des Duos ist der kauzigere. Oder kapuzinigere. Zumindest in Regionen, in denen der Allwetterpart eher taftige Haltefunktionen ausübt.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie hocherfreulich sind, dem einen will man aber lieber später begegnen; auf beide singt man Lieder und es bedarf einer Portion Glühwein extra um sich so ganz und tief auf die Sache einzulassen.
Dem Ursprung nach sind sie Väterchen, so dass auch in frostigen Gebieten mit Rentierüberschuss und säckeweise Klumpen man noch abends in ein windgegerbtes Antlitz schielen kann. Dass es keine Mütterchen sind rührt daher, dass gegerbte Weibsgesichter nicht so werbetauglich sind. Wofern es um Fruchtbarkeit geht, mutiert das Väterchen dann gerne zur Wiesendiva mit Hasenpfötchen und Fräuleinwunder mit Blütenkranz.
Alles in allem dient die Vorstellung vom wunderlichen Weisen auf Tour der Ablenkung vom unumgänglichen Altern selbst der Rolling Stones und suggeriert eine Art Dauereinrichtung im Beichtstuhl allmächtiger Bärte. So bissl Anlehnen und Warmwerden am zerschlissenen Rockschoß Reisender sind um die fragliche Jahreszeit geschätzte Güter.

Ich hoffe meine Stellungnahme entspricht dem Vorschatz des Dozenten und ich kriege den Schein ohne Hausarbeit. Muss nämlich noch Gardinen waschen bis Weihnachten. Solche Rituale erweichen bekanntlich die gestrengen Maskulinen und ermöglichen den freien Fluss der Gaben.

(MM)

 

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Zur Genderfrage und so …

patchworkfamilien tragen erheblich zu einem neuen verständnis der geschlechterrollen bei. sie sind die indices für anstehende soziale bewegung.
selbst scheidungskind, kenne ich eine menge solcher fleckerlfamilien. in den meisten wird den beteiligten viel abverlangt, egal welchen geschlechts. ganz neue ordnungen werden etabliert und müssen sich bewähren, subtile, delikate, instabile formationen verlangen ein mehr an aufmerksamkeit und ein weniger an egoismus.
ich kenne großmütter, die mit selbstverständlichkeit die enkel der hinzugekommenen familienteile betreuen, mütter, die sich um die freundin des stiefsohnes kümmern und söhne, die die kleine tochter des stiefvaters zur schule fahren. ohne dabei mit der wimper zu zucken.

es liegt darin eine große chance, der sogenannt nächste ist naher. ich habe selbst erlebt, wie sich das anfühlt, freiwillig die rampe zu verlassen, weil, bei aller romantik, ein anderer (das kind) bedeutungsvoller war.
wir wachsen daran und es ist nicht der egoismus, der das antriggert. es ist die wahl, das bewusste einlassen, sich zutrauen und durchhalten.

(MM)

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Zur „Je suis Charlie“ – Bewegung

ich finde es verstörend, mal erschreckend, mal nur bizarr, mal abstoßend, wie bereitwillig sich so viele unter diesen manna-brunnen stellen, der uns allen die möglichkeit gibt, endlich stellung zu beziehen. jeder, der bislang, eben: noch nicht mal den namen der zeitschrift kannte, sich kaum die laune hat von den totenzahlen irgendwo in den abendnachrichten betrüben lassen, kaum sich noch rührte, wenn an entfernten staatsgrenzen kapitale verbrechen an der menschenwürde nagten …, wie jene also sich nun mit der plötzlich infizierten zeigefingerwunde emporrecken. wie sie nun die werte des urmenschlichen, folgefranzösichen dreiklangs nachbeten, als hätten sie sie aus dem rosarium inwendig wegdigeriert …, wie leicht es ist,
dort zu sein, wo man zur rechten stunde zu sein hat. zur falschen zeit befanden sich die in der redaktion arbeitenden journalisten, die haben für uns stellvertretend die spruchbanner hochgehalten. ich finde es ok, dass wir ihnen nun im nachhinein respekt zollen, sie würdigen und uns bedanken.
dennoch, wie leicht es ist!

das zu den verhältnissen, von denen hier einige schreiben, zu recht: sie sind asymmetrisch, die balken dieser betroffenheitsbühne. es ist sehr viel raum für willige statisten, für die lichtmaschine entstanden. und dort sonnen sich nun alle, die bis eben noch keine stellungnahme abgegeben hatten und nun endlich die möglichkeit ergreifen.

ich bin nicht charlie.
ich habe mich bis vor ein paar tagen einen teufel um die nachrichten geschert und hatte am donnerstag plötzlich tränen in den augen und dabei wurde mir selbst vor mir selbst bang.
ich bin nicht charlie. ich habe in den vergangenen Xx12 monaten nicht einen deut meine existenz wissend riskiert, indem ich meine meinung leuten gesagt habe, von denen ich annehmen musste, dass sie mich daraufhin töten.
ich habe nichts von dem getan, was diese menschen taten,
das heißt,
ich bin nur deshalb charlie, weil ich auch aaahne, dass die bleistifte der redaktion die symbole für unsere moderne sind
UND
zugleich für die dem erdboden gleichgemachten towers
und mir das nungaarnicht in den kram passt,

weil ich ja europäerin bin, in der schule mich für den revolutionsdreiklang begeisterte und ich mir einbilde, teil der moderne zu sein.
mir ist diese pandemische betroffenheit suspekt. mit uns kann man das spiel machen, wir eingebildeten, aufgeblasenen abendländer. uns kriegt man so leicht auf die palme und auf die dünnbretter zwielichtiger illuminatensalons, wir ließen uns noch in kriege hineinmanövrieren, vor lauter überlauter posthumer ergriffenheit und medialer gasblase!
mehr noch, mir macht sie angst, diese heilscheindende ick-war-ooch-dabei-bewappnung. ich wünschte mir, wir würden nachprüfen, wie manipulierbar und verzärtelt wir sind und wie leicht man uns einpferchen kann, so man weiß, wie es geht.

und das wissen immer mehr.

(MM)

 

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Zum „Gläsernen Menschen“

natürlich ist es nicht die technologie, „das Übel“. und ich kenne die anekdote, wie bell´s erfindung als nutzlos betrachtet worden war.
nur war damals die welt simpler: man bezahlte eine rechnung und bekam dafür eine leitung bereitgestellt. in meinen sehr jungen und sehr simplen jahren wackelte ich an oma´s hand zur dörflichen postzentrale, wo ein nettes fräulein schnurstifte in eine tafel steckte und mich mit den städtischen eltern verband. fas-zi-nie-rend. dagegen erschien das blaßgelbe radrechteck in der stadt, an dessen kabel man unentwegt zwirbelte, bereits entzaubert. nun sind wir der weltkomplexität längst nicht mehr gewachsen.
jeder liest beim einloggen das mantra „fb ist und bleibt kostenlos“, und bei (hoffentlich) vielen blinkt im hinterkopf ein alarmbutton auf, der da sendet: als erstes blechst du mit deiner zeit.
aber gut, „fb ermöglicht es mit menschen in verbindung zu bleiben und inhalte mit ihnen zu teilen“. achso, das beruhigt, naja, dann hab ich ja was davon.
kaum einer rechnet nach, wie viel von den x investierten onlinestunden tatsächlich „inhalt“ sind. ich habe das ein wenig überrechnet in den letzten wochen … es war ein bruchteil. abgesehen von der fragwürdigen inhaltslastigkeit solcher getauschter sätze wie: alles gut bei dir? lass dich mal wieder blicken – mach ich.
der große teil bestand aus likes und reaktionen auf likes und da hat es mich buchstäblich angewidert, dass ich allmählich auch dinge likte, die ich gar nicht likte, aber diffus das gefühl bekam, die person braucht das (weil ihre inhalte zum beispiel entlarvend haltlos und einsam rüberkamen). auch war oft klar, da ich einige der verbundenen sogar persönlich kannte, dass sie meine (vornehmlich tierhaften possenvideos, echte inhalte wollte ich auf fb nicht posten) nicht wirklich liken konnten, es aber taten, um mir zu signalisieren, dass wir in verbindung sind.
das alles ist derart elend und unwürdig, dass es schon dazu reicht, auszutreten und einem eichhörnchen auf dem baumast in völliger wieseneinöde ein ehrliches daumenhoch zu spenden, das es nicht versteht.

das system verbiegt uns.
es simplifiziert alles; es erleichtert, und zwar um den verstand und die urteilskraft.
was amazon schon alles an inspirierten browserpartikeln von mir ausspuckt ist eine versicherung gegen spätere demenz. kunden, die das kauften, kauften auch das.

aber das alles ist ja bekannt. langweilig, da verdrehen die leute die augen, wenn man das darlegt. und genau das macht mir am meisten sorge.
die t r a n c e .

alle diese sätze und daten, die da vor unseren augen rauschen, haben hypnotische wirkung. man kennt es von kindern, wenn man sie ins bett schicken will und sie bleiben bis zur tür noch mit dem blick auf die glotze haften. „erwachsene“ nutzen sie deshalb auch als einschlafmittel, sofern die hirnkapazität an ihre grenze stieß.
die trance aber wird verteidigt. diese ernüchternden „kannste auch drin bleiben, wir sind doch eh überall erfasst, da musste den stecker ganz rausziehen“ – wendungen …, die fand ich wirklich erwähnenswert. das wird unterschätzt, ein jeder glaubt, ihm könne nicht passieren, dass ihn der sog erwischt, dabei steckt er längst im maul des datenmammuts. gut, zunächst natürlich als harmloser zahnstocher.
ein weiteres mantra ist „ich hab doch nichts zu verstecken“. genau, solange man nicht geheimdienstlich relevante inhalte postet, ist man ja in sicherheit.
und genau das sind die zwei standbeine des nun wohl unverrückbar eingeimpften standby-hormonstäbchens: ich bin in sicherheit
und
ich werde erhört.
das bedürfnis nach mitteilen, nach resonanz, gar nach entblößung, je nach grad der persönlichkeitsverkrümmung, ist riesig. irgendwo las ich, dass das interagieren auf fb als so befriedigend wie sex registriert wird. es macht high, sich sehen zu lassen, sich zu öffnen, es feuert feine sachen im gehirn herum und deshalb ist diese trance so lieb und teuer.
homovitrum ist ein homunkulus, ein kümmerlicher replikant in den tiefen unserer hirnfalten, unfähig der welt zu folgen, entkräftet, entwaffnet, von der komplexität überrollt, einer, dessen bewusstsein soweit noch reicht, dass er sich durch zeigen noch vor der unkenntlichkeit, der unbedeutung in dieser ozeanischen welt einkleinwenig zu retten versucht.
deshalb hilft alles aufklären nix, es ist drogengleich und die süchtigen werden immer mehr. einzig das anbieten einer noch befriedigenderen droge könnte helfen.
bin gespannt, was als nächstes kommt.

(MM)
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 Zur „schlechten Schreibe“
was ist da „schlecht“?
schlecht ist das, was offensichtlich dem kanonisierten niveau-leser widerspricht, also belanglos in der denke und mangelhaft in der form ist. schreibt einer thematisch bedeutungsarm und zweifelhaft geformt, und findet interessierte leser, dann findet er und die leser auch, das sei „gute“ schreibe und „gute“ lesbarkeit. aber daa waren wir gar nicht; wir waren beim lesen des eigenen lebens und beim schreiben des eigenen feuilletons.
besteht ein kausaler zusammenhang zwischen einem bekloppten leben und einer noch dämlicheren interpretation desselben? oder umgekehrt, zwischen einer bedürftigen drehbuchanweisung und einem kassenflop an der betriebsinternen kinokasse?
aha.
da wollen dann wenigere abspringen, bei der hypothese: ist der input, sind skript, regie, produzent hundsmiserabel, kommt eben konsekutiv ein wacklig filmchen bei raus. und dann neigt man eher dazu, sich als leser, nachträglich, korrektiv und überlebenswichtig, zum helden zu gerieren. irgendwie die szenenfolgen so zu verkleben, dass der cutter bei dienstschluss befriedigt und brustvoraus nachhause kann. sobald eine story einen überzeugenden helden hat, einen, der tröstet, bestätigt, anheizt, inspiriert, kitzelt, einen, der das ruder in die hand nimmt, ist das sonstige drumherum egal. die story wird mörtelfrei um die figur herum gelehmt, wie einst pandora.
das erklärt, warum alle phänomenale politik, die legenden und die religionen, kultur überhaupt, so personenbezogen sind. die geschichte unseres erdballs und unserer hinterlassenschaft ist eine personalisierte. pro maßeinheit milimeterpapierne historische bewegung, soundsoviele grundprivatisierte visagen: herrscher. also leitfiguren, stammesführer, schamanen, priester, kirchenfuzzis, fürsten, revoluzzer, oppositionelle, mein lehrer, mein kaninchen und meine mutti.

das erklärt auch, warum es in miesen stories so sehr nach coolem helden verlangt; notfalls im jenseits, dann aber tête-à-tête mit dem allheiligen und brustanbrust mit den vierzigjungfrauen. wenn der ganze entwurf nicht mehr hinhaut, sorgt eine von amts wegen installierte betreuung für die verbrämung. wortnah bekommt man also einen pelz umgehängt, kopf-hoch-auch-wenn-der-hals-schmutzig-ist.

das bringt mich auf die frage nach dem leseapparat: womit soll ich lesen?
mein leben ergibt unter der lupe eine ganz andere welt, als unterm scheffel, unter der teleskoplinse, unter dem regenbogen oder unter dem flaschenboden. welche linse soll ich anlegen, um ein schönes design zu erreichen, das sich gut verkauft? nee, an das sogar ich glauben kann, weil es sooo schön ist?

mir scheint, leser zu sein ist beinahutopie. bestenfalls ist man lektor. typograph. das buch liest sich vom ende her am schlüssigsten, wie soll man also je zwischenstationär die eigene internierung kapieren?

dennoch: neulich lauschte ich einem mann. der sagte, er sei dort und dort gewesen. habe dies und das gesehen. nördlich und südlich des äquators, nach links und nach rechts auf der landkarte, und er zählte länder auf. da und dort. und dort, und dann da. und dann und dortauchnoch. nach einer weile fragte ich ihn, mit welchem zweck er das getan habe. er sagte: ich wollte es sehen. ich fragte, warum. er sagte, er sei neugierig gewesen. dann fragte ich, warum er das sei. er sagte, er sei halt so. dann fragte ich, was er denn an erkenntnis mitgebracht hätte, was er zu bündeln gedachte aus dem gesehenen. da überlegte er und sagte: na, überall auf der welt sind die leute anders. und ich fragte, ob ihm das im alltag geholfen habe. und er sagte, nein, denn hier seien die leute eben so und woanders anders. und hier gälten die hiesigen regeln, die können gut und gerne woanders machen, wie sie wollen, hier ist hier.

ich dachte, das viele kerosin hätte eingespart werden können. dem mann hätte man doch auch filme zeigen können, er wäre zum selben schluss gekommen. wozu all die reisen. wenn nicht dazu, hier und woanders unter einen hut zu bringen? mich und mein später-ich. jetzt und dann. wozu grenzen passieren, wenn man nicht glaubt, dass sie passierbar sind?

das hier und das dort, das jetzt und das dann, sind konstitutive momente einer erzählung. und mögen sie noch so verschüttet unter wortlawinen liegen. stories, die innehalten, sind keine stories, es sind meditationen, ein genre für sich.
also ich meine, gute schreibe und gutes lesen sind keine verhandelbaren termini. was verhandelbar ist, ist die ent-wicklung, das ausspinnen, das weben, das reißen.
maya entschleiern, ein hocherotischer akt.

(MM)
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Zur „Persönlichkeit“ und ihren Kanten …
persönlichkeit ist ein konstrukt.
das sonografisch ermittelte aktualstadium einer mit der welt ( mitunter kohärent) verbundenen selbstauffassung. ein hologramm, halb gespeist aus dem eigenen ich, halb aus dem sehnerv des betrachtenden gesäugt. das täuschend echte labyrinth aus steinzeitgenetisch grobgemeißelten quadern, mit dem mörtel des letztgeposteten kulturkanons angerührt und in eile dahingemauert, als ob (´s für die) ewigkeit wäre.
die mauer in den köpfen und ihr daedalos-daskalos ikarischer natur. plus minotaurus, also multipel, aber vermutlich nie wirklich inkohärent. sie gehorcht dem legendenstatus.
modell und realisierbarkeit. architekt und maurer. nie fertig. nienie. noch im letzten atemzug wird ein hauch davon entlassen, wenn das letzte gran ich verdunstet.
eine narration, wie lyotard sagen würde
und über lyotard zu sprechen ist auch nur persönlichkeitsgeschwafel.
persönichkeit ist die sau, die im weltdorf morgens durchgejagt wird, und abends unter der guillotine gut liegen mag. die meisten persönlichkeiten, die ich kenne, sind tot, möchte ich behaupten.
persönlichkeit ist das/die gerütteltgeronnene maß aus gährungssäge und hefebrei. aus wort und laut.
ein projekt. und wenn sie keins mehr ist, wenn sie droht zu magma zu erstarren, schneiden sich am onyx ihrer scharfkanten meist die adepten der reinkultur selbst am blutigsten. deshalb empfiehlt es sich, beim laborstudium der eigenen personagen, einen weißen vestenmantel anzuziehen.
wie eine weiße fahne.
damit die umstehenden nichtlaboranten und gasthörer nicht von umherspritzenden versuchsteilen besudelt werden.

(MM)
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Zur Kunst
ist die spezielle handhabe des gegebenen (mitunter als wirklichkeit verschrieen), der originelle umgang mit materie oder information. ist der umgang virtuos, aber nicht originell, handelt es sich um reproduktion, dann neigen wir dazu den umgang als handwerk zu beschreiben. kommt zum hand-werk ein unerwartetes hinzu, ein abweichen vom muster und eine neuordnung, die überrascht, neigt sich das urteil – außerhalb ästhetischer diktaturen – in richtung kunst. die frage nach der ausrichtung und dem ziel von kunst sehe ich aber so: sie hat keine/ keines. kunst blubbert aus dem bauch heraus und wird nachträglich von instanzen der bewussten akkreditierung zurecht gemacht. sie ist nicht per se eine ansprache an die umwelt, sondern eine inhärente, unvermeidliche aussage der persönlichkeit des künstlers, eine art atemzug, seufzer oder jauchzer. ein akt der vitalität.

alles andere, was man ihr anhängen mag, ist politik.

(MM)

ich hab die ersten schneeglöckchen gesehen!
wie sie so in pülkchen stehen und ihre köpfchen schütteln, möchte man meinen, es sind abgesandte der erdgöttin, die über die eilige reformationsbedürftigkeit des oberirdischen floravolkes ratschlagen.
„uff, immer noch nix grün hier … lass uns hell klingen und lichtläuten, dann merken es die erdlinge, dass das leben wieder gesiegt hat.“

ich will die immer küssen, diese zarten, weißen kelche; dann denke ich, wie sieht das denn aus, wenn ich über den gartenzaun stadteinwärts schreite und im vorgarten der mitbürger mich zu den hälmchen bücke. ja, wie sieht das denn aus? wenn ich alt genug bin, mich sowas nicht mehr zu fragen, kann ich vermutlich nicht mehr unfallfrei blühstreifen erklettern. dann finden die passanten ne schrullige alte mit hut, die in gesellschaft der skeptisch guckenden amseln darauf wartet, dass man sie wieder aus dem knorrigen beet erhebt.

was wäre weise?
feiern! glöckchen läuten!
summsumm …

ich bedauere

so spät angekündigt zu haben, dass ich meinen facebookaccount lösche. so blieben mir nur 24 stunden für das sammeln der reaktionen (hatte ich nicht daran gedacht).
dennoch, hier die statistik (dürfte mark z. mehr interessieren als jeden anderen):
drei personen reagierten mit: „du weißt aber schon, dass die daten bei fb bleiben? ist doch egal, ob man bleibt, wir sind längst erfasst, sobald wir den rechner hochfahren.“
eine person fragte, nicht mich, ob man dann whatsapp auch runterfahren wird.
eine reagierte auf meine nachträgliche eingabe, ich habe bereits in einem totalitären staat gelebt, mit der feststellung: „und das brauchste nicht mehr“.
eine fand sich bei der ankündigung eines analogen schrittes selbst .
eine traute sich socherlei nicht.
die anderen meiner etwa 50 verknüpfungen hielten still. im löschvorgang selbst mailte ich nebenher unter zeitdruck mit einer person, die schrieb: „haaalt! nicht, bevor ich deine mail habe!“.

tja.
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herrlich, so bissl sterben im netz. auch wenn das nur unvollständiges verbrennen ist und binnen zweier wochen der account wieder aktiviert wird, sobald man versehentlich einloggt (kann ja passieren, wenn man das jahrelang im traum noch tat).
herrlich. wie urlaub in den alpen und am meer zugleich.

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was ich nun bemerken darf, nach unreif heruntergefallenen datenpflaumen: e s i s t tatsächlich sinnlos. die maschine ist an und wird nicht mehr gestoppt werden. allenfalls noch in utopistischen avantgarde-filmen. die konzerne haben uns verschluckt, unsere entscheidungskraft paralysiert, uns mit neuen werten versehen und uns kaisers-neue-kleider verkauft.
wir sind vieh.
ware. wahllos ausgeliefert, zum affen degradiert, zu nichts nutz als zum klicken. unsere gehirne werden in den nächsten jahren noch zu brei gestampft, wir werden nichtmal mehr wissen, was wir beklicken, geschweige denn für wen. für wessen bereicherung. wir werden rabatte sammeln wie hörnchen und sie nicht wiederfinden und uns wundern, was da alles ungesät heranwächst. und dabei hungrig bleiben-

unsere kinder werden deformierte gehirne haben, solche mit fünfjahresplan-lücken, callosumanomalien oder präfrontalinfarkte. wir werden uns in die hose machen, weil wir ein online-spiel noch schnell zu ende hämmern wollen und ab der achten runde blendet fb werbung für inkontinenzeinlagen ein. automatisch, mussmansichnichtkümmern.

unsere kindeskinder werden gedichte für ausufernde fraktalposts halten und sich wundern, dass da nicht „mehr lesen“ steht, unter dem letzten reim. sie werden gar keinen reim mehr machen, denn alles verreimte wird ihnen vorab in die hirnspiralen injiziert worden sein.
sie werden eine aufmerksamkeitsspanne haben, die eine eintagsfliege für demenz halten würde; ihr gelerntes wird an losen, unbelinkten, unbelikten daten-mülldeponien gasreich zu käuflichem werbehumus vergären. sie werden kaufen, bis die gyri glühen, bis das letzte einloggen noch rußig verdunstet, bis sie nichts mehr sind, als käufer.

sie werden ihre entmenschlichung blasiert hinnehmen, wie roboter, mit nur noch einigen standby-organen unterwegs, antennengleich errigiert um noch heil über die straße zu kommen, während man in sein torturgerät tippt. sie werden den katechismus der resignation runterbeten und ihr ausgeliefertsein mit religiöser hingabe feiern. sie werden sich schmunzelnd daran erinnern, dass es vor ihrem kompletten kapitulieren noch eine welt gab, in der man zwischen x und y unterscheiden konnte. sie werden über uns lachen, reaktionäre, die sich kindisch noch einmal gegen die umfassende strukturelle vereinnahmung durch die medien sträubten.
man wird mit ihnen machen können, was man will. verweichlicht und mit rechteckigen sichten gestraft, werden sie kaum mehr wissen, dass es zum ausschalten buttons gibt und werden mitunter verdursten, weil sie den kaufknopf für getränke nicht finden.

(wenn ihr das emphatisch und überdreht findet: reden wir in 15 jahren nochmal darüber)

die letzten, die noch was tun können, sind wir. wir sind die, die vor der chip-revolution auf die welt kamen, die noch auf echten bäumen kletterten. die letzten affen.
das einzige, was uns bleibt, ist die verweigerung.
aber die können wir noch nutzen.
die nachkommenden haben diese chance nicht mehr, sie sind kinder einer bereits intermedial getroffenen wahl. sie haben das letzte paradies verloren. wenn es dann noch aufstand gibt, dann mit repressalien. wir aber könnten noch einmal aufschreien und uns weigern vasallen zu sein. den datenmogulen den rücken kehren und es noch einmal klein aufwärts treiben lassen, mit kleinen netzwerken, behutsamem sammeln und wachem walten.
wir haben nicht mehr jahrzehnte und nicht mehr jahre; die zeit der überlegungen ist längst abgelaufen, sie haben uns mit haut und haaren verschlungen, die märchendämonen, was uns noch bleibt, ist selbst trojaner zu werden.

copyright bei mir.mir.mir. marchmoon.

lange her, dass ich den link hierher selbst weitergab.

da ich es heute tat, bei allem werbe-unwillen, soll rechtfertigen, dass ich etwas einkopiere, das woanders erschien. mir liegt nichts daran, eine verlinkung meiner online-präsenzen herbeizuführen, weshalb ich jeden bitte, diese lektüre für sich zu behalten. ich kann es nicht vermeiden, dass das netz arbeitet, und lasse den zufall herrschen, indem ich die domäne nicht selektiv sperre. meine haltung ist also ambivalent und unentschieden.

naja, weißdergeier, warum ich überhaupt hier schreibe …
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sieht man hin, wie die geschichte des abendlandes (auch als christianisierung) die brandmarke von gewalt und blutiger landnahme trägt, wie hier jahrhunderte lang im namen gottes gemordet wurde, wird einem ganz schlecht. kriege, kriege, kriege, und immer davor eine machtwillige handvoll und dahinter der geschundene organismus der vielen, die zu gehorchen hatten.

das pflichtfach „aufklärung“ täte in den schulen gut; einsichten in die grundstrukturen der kommunikation (und manipulation), in die grundbausteine der ethik. ungehorsam im sinne einer überprüfung der denktraditionen, selbst derer, die einem naheliegen … distanz zu den dingen, den erscheinungen, also eine weitwinkelsicht auf die welt und im nahbereich das wissen um die bruderschaft mit allen lebewesen. das sogenannte
tat tvam asi, das bis du, das alles bist du und du bist urheber und verantwortlicher deiner gedanken.

ethik, mit freien valenzen, und nicht religion mit gebundenheiten … ja, sowas. und da hilft seufzen auch nicht, da kann man nur versuchen das an sich selbst zu trainieren und wird merken, wie schwer das ist.

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nach meiner aktuellen denke, gehören die geschlechter nicht paarweise zusammengestaucht. außer vielleicht zur aufzucht der brut, wüßte ich keine zwingenden gründe für lebenslängliche anstalten zur inhaftnahme.
das alte, antike modell könnte nochmal aufblühen, ginge es nach mir und nach meinem virtuellen pro-jekt. die damen beieinander, fröhlich webend und stenotypierend, die herren eingepfercht in ihren verwahrlosten duschkabinen, und bittesehr nur zum dinner und anderen vergleichbaren annehmlichkeiten zusammenkommen.
dieser zwang zusammenzuleben und sich mit zahnpasta-desastern das leben schwer zu machen, ergibt kaum sinn. ein kind, soll es hirnverdrahtet emporwachsen, bedarf nicht des kokons der kleinfamilie, so meine these, nicht über das sechste lebensjahr hinaus. es kann danach gut in einer kommune leben (ja, ich habe kommune geschrieben), in der mehrere bezugspersonen den kern der einfamilie ergänzen.
das ist heikel und prekär und wasweißich, ich weiß. das macht dem totalitarismus den hof und ist mit tausendundeiner nogo-attitüde behaftet.
nach heutigem stand der dinge.
das kann sich aber ändern.
und hätte ich meine visionen nicht mittels realitätskontakt wegtherapiert, ich würde mir für die zukunft (siehe nachbarthread) weitere, emsigere und weniger korrupte entwürfe wünschen, in denen frauen und männer ihre eigenart ausleben können, so dass sie
appetit bekommen, auf die andersartigkeit.

sie wegzuheilen, wegzuerziehen, bilderstürmend wegzusäkularisieren erscheint mir wenig effizient. durch trennung könnte die idee der einheit besser gedeihen, indem man erst bei sich ist und dann beim anderen, und solange ich nicht bei mir bin, hilft mir kein sermon, wie intellektuell auch immer.

<< (bezogen auf vorhergehende posts anderer, etwa das mit den duschkabinen …, diese ewigen reden von den kulturuntaten der männer, zahnpastatuben-differenzen und derlei niedere komik)

>>

mädels, ihr gebt mir noch den rest.

muss ich mich nun für einen glückspilz halten, der die ausnahmen kennt, die euch versagt blieben? wie kommt es, dass ich kaum ein bruchteil von dem unterschreiben kann, was ihr da vom stapel lasst?
wieso reibe ich mich nicht auf an minderbemittelten individuen, die sackkratzend auf ihre gelegenheit warten zu punkten und zum zug zu kommen, sondern kenne eine stattliche anzahl motivierter, reflektierter, sensibler, gebildeter und lernwilliger herren, denen der hoseninhalt beim denken nicht so massiv in die quere kommt, dass es des tadelns bedürfte? (nicht mehr als uns). achso, es gibt einen inhalt, falls frau nun (ich fürchte mich bereits) entgegnen will, das seien dann doch alles schlappschwänze …
ich fragte mich heute einige male, warum ich mich so oft fremdschäme für meine genossinnen.

wie viele wappenfähige prädikate, wie „mut“, „duldsamkeit“, „herzensgüte“, „tapferkeit“ etc. , benötigt auch „emanzipation“ einen richtungsvektor. man emanzipiert sich von etwas und jemanden, zumindest im alltäglichen sprachgebrauch.
deshalb ist X´s postulat, die emanzipation der frau sei abgeschlossen leider unvollständig und bezieht sich auf sozial- und kulturpolitische belange.
was soll dies nun aber nutzen, wenn frau es nicht merkt, dass sie sich emanzipiert hat?

die selben kratzigen, staubigen, nach küchenmüffel stinkenden bürsten werden mit bedauernswerter bitternis zum säbel deklariert, um dann indigniert festzustellen, dass es nicht leicht ist denke und emotion so zu trennen, dass frau noch halbwegs lesenswerte sentenzen produziert.

die vektoren aber sind dafür zuständig, dass die prädikate auf achsen sich bewegen. man ist in teilen seiner psyche tapfer, in anderen ein feigling, in teilen gütig, in anderen ein despot, in teilen emanzipiert und in anderen eben nicht. wir müssen mit dem mischverhältnis leben.
wenn frau sich aber nicht selbst von sich emanzipiert, von ihren veralteten, immer wieder eingeschleiften denkroutinen, von der heimeligen retourkutsche, und wenn sie es nicht lernt, einzustecken, wie es die männer seit jahren lernen, sehe ich da die wanderschaft auf dem emanzenweg als ziemlich entfernt vom zielpunkt.

<<

mm

gutes neues!

das jahr begann mit einigen sektkorken!

hier nur eine tangierende meldung: die strukturen, die auguren, stehen gut. das phänomenale ist geometrisch, symmetrisch, synergetisch.

das fest der sinne gilt jeden tag gefeiert zu werden, also wünsche ich mir, dass die idee  inneren reichtums auf durstige böden fällt. regen bringt segen.

summsumm.

ist es nicht

augentropfenfällig, wie wir zur zeit anachronistisch daherkommen, mit unserem wilden, übernahen gebaren, unseren blendenden lichtern und unserem filrletanz …? wie wir der natur hohnsprechen, in ihrem innensinken und minimalisieren, in ihrem einfallen in den kern? wie wir schalen und rinden abgrasen, als ob wir nicht merkten, dass es grad´nicht grünt …? unser apotropäisches unterfangen die geister zur stille zu bringen, ernächtigt uns zu lauten, entkörperten dämonenaustreibungen, die auf grund mangelnder alternativen (oder ihrer stiftung) in warenhäusern stattfinden, in kaufhäusern, …, da kaufen wir unterpfand unsere lebenszeit …

naja. wegen der raunächte.

ich feiere sie jedes jahr.  jedes jahr stiller, also lauter mit minuszeichen.

dabei wird mir jährlich bewusster, wie alle stumme, dunkle, rankende gestalt des naturgerüsts, sich nach sosein sehnt. danach, nichts zu sein als das, was sie ist. und wir schmücken wir teufel dagegen an. das mag eine gute sitte sein, aber im nun anflutenden übermaß zunehmend pervers.

alles um uns herum hat längst feierabend. deswegen die hohlklingende rede von der besinnlichkeit. das war einmal. heute rattert das schamanentheater gegen die raunachtgötter an, wie blechrasseln. heute ertragen wir die stille der umgebung nicht mehr.

umso mehr ergötze ich mich aufs immer sattere daran, mich beim annulieren des lichterlohen schleifenprogramms zu erwischen. mich zu beobachten, wie ich den ruhebruchstücken lausche, die mir unterwegs unterpfanden. so viel glühweintassen gibt es gar nicht, wie wir pfand für unsere ware auszahlen.

inmitten aber des jauchzens und drehorgelns wach zu sein, da zu sein, so zu sein,

ist mir weit mehr herausforderung als etwa in einem kloster, in einem retreat. das wäre fügiger, effizienter. aber nicht abzuhauen angesichts der eminenten massenhysterie, und sich dabei klar darüber sein, dass man teil ihrer ist und unteil auch,

stirbt und auferlebt,

das ist mir raunachtraunen. das ist mir göttersprache. der kosmos furzt leise und wohlerzogen über die lautmalerische marketänderei der sapienten homini.

schlaft gut, leser.

schlaft gut, nichtleser.

schlaft gut, nichtbuchstaben.

nichtlaute.

schlaft

gut.

ich bin

011

für drama nicht mehr zu haben.

den puls der zeit nehme ich an ihrem handgelenk auf; das tickern erlaubt mir rein technisch keine versierten, albernen, selbstumrundenden spielchen. mehr. ich bin zu alt – eine wendung, die von echter zeitnot zeugt.

wer gerne um sich kreist, darf es tun.

ich selbst sage mich los vom programm des bedauerns. pünktlich zum chiristenfest entsage ich der heuchelmeuchelei.

zur sonnenwende: seit jahren wachse ich ihr entgegen, jährlich auf meine ringende art. ich werde das holz, aus dem ich bin.

und ein wenig vertrauen in die eigenen kräfte

stünde einem jeden (fast) gut zu gesicht.

leuchtepling!