der 80. beitrag, am 9. juli.

das ist das jahr des schmetterlings.

ein schmetterling ist wie eine treibende blüte, eine, die den wind durch den willen ersetzt hat, eine gestaltgewordene blüte. eine menschgewordene, diese insekten sind uns so  ähnlich in ihrer gestalt. also ich empfinde meine arme und beine als flügel, auch nachdem ich schon lange nicht mehr tanze.

ich empfinde mich als schmetterling

und es ist mein jahr.

mein kokon ist weg. uff, einfach weg. die äußere hülle, auf die immer verlass war. war zwar eng, aber immerhin bekannt. irden, umbrafarben, mitunter staubig, ausflockend, wie mürbe seide, ein mantel aus wirklichkeit und greifbarkeit. mein kleidungsstück.

der ist unterwegs abgeblieben, ich habe es zuerst gar nicht gemerkt. wie in einem reflex, habe ich nach seinen falten gegriffen, um sie um mich zu legen, aber mit jedem tag, wurde die geste enger und der mantel dünner und er umschloss immer weniger von mir. darunter waren meine flügel, von denen ich bis heute nicht weiß, was sie sind. ich merke nur, etwas entscheidendes fühlt sich anders an. etwas bewegtes, vibrirendes, gekoppeltes, als bildeten neue nervenschäfte sich neuen synapsen entgegen und die vormalig stille puppe erwachte zu einem gestus, zu einem bogen, zu einem tanz heran. die fäden der puppe habe ich nur zum teil in der hand, der wind und der wille gehen darin miteinander. es pustet die adern der pusteblume auf, ich weiß nicht, was es ist.

aber ich weiß, woher es kommt.

es kommt vom wind. der hat angefangen. und ich habe mich nicht gegen ihn gestellt, sondern hineingelehnt. und das war gut.

der wind hat den mantelrock aufgemacht, wie ein kecker, himmlischer liebhaber, und dadurch bekamen die flügel die kraft. der innere rotor summte auf, die turbinen sprangen an, an den antennen begann das kitzeln und nun webt es sich sachte und immer noch keck durch die adern meiner flügel. ein einzig nervengeflecht bin ich, ein bündel materie, ein bunter strauß windverliebter blüten. das flirren der welt in uns ist so honiggleich, nährend, so kitzelig, lebendig zu sein ist so formidabel bunt!

was soll man da sonst tun, als schmetterling werden?

es ist unglaublich, es ist unglaublich. aber ich kann es nicht anders sagen: der wind ist die liebe.

die kraft, die von a nach b bewegt. die urinstanz aller motion ist die animation. beseeltheit. der odem.

ist so, nicht  grinsen, ich hab auch mal gegrinst und sogar die augen verdreht, weil ich dachte, das ist sentimentales geschwätz oder blecherne litanei.

aber ich wurde eines besseren belehrt. das bessere trat in mein leben ein, nachdem ich mich mit dem weniger guten befriedet hatte. nachdem ich das maß der resignation begangen  hatte und vorhatte cool zu werden.

mjaou …

und da öffneten sich die tore des himmels und der wind trat heraus. der wind war  die schleppe der liebe, und da hat sie sich dann gezeigt, just als ich, wie orpheus, nur schlauer, gedacht hatte schreiten zu wollen. ohne mich umzudrehen.

da hat das leben mir den mantel aufgeknöpft, mir den dunklen erdpuder vom leib geflufft und mich mit einem wirbel in die welt geschickt.

und da steh ich nun, und muss sagen, ein schmetterling zu sein ist das unglaublich, unglaublich unglaublichste, was einer puppe passieren kann.

vielleicht klingt es vermessen. ich müßte vielleicht sagen,

naja, ich mache ein praktikum als schmetterling, mal sehen, ich übe noch, wir sind ja alle so imperfekt.

das wäre aber kokett. ich bin ein schmetterling, weil ich fliegen kann, ich kann fliegen, weil ich liebe. und ich liebe, weil ich geliebt werde. weiter weiß ich nicht.

und nun frage ich mich, ressourcenorientiert, wie ich bin, ob denn bitte nicht endlich einer mal so einen apparat entwickeln kann, in den leute wie ich, die so eine datenbank haben, sie hochladen, damit sie andere anzapfen können. also ja, klar, universell und so, geht das eh, die quanten tanzen, aber ich meine es jetzt ganz real. liebe aus der batterie. dann würde man die welt heilen und so.

und dann merke ich, mit vielleicht einer spur seufzen, dass es deshalb nicht geht, weil die reaktion der übertragenen kraft im körper des empfängers weiter verarbeitet werden muss. an liebe müssen wir selbst beisteuern, der fährmann über den fluss lässt sich nicht bestechen, wir müssen einen taler in seine hand legen.

das ist der unstand der dinge.

die reanimation.

wasserstoff

in den stimmen sirren die geflechte,
rinden bluten dunkel in die  nächte,
in den gräsern winden sich die rechte,
an den schranken, in die schächte.

ausgezählt, des lebens zeugen.
unbezahlt, die wechselspiele.
ungelenk das junge beugen,
angestaubt der scheibe ziele.

trockne, schrumpfe knospen, weile.
strändevoll  gehäuseleere.
an der ufer schleusenzeile,
keine wasser, keine meere.

doch der erde sonnenneigung,
und der bogen überm regen,
aller laute himmelssteigung,
und des lebens leuchtend legen,

bündeln schaft und binden saft,
wiegen samenreiche kerne,
sprenkeln aufgesprengte kraft,
spindeln weg und beet der sterne.

aus der baren glut im boden,
fließt der regen, regnet fluss.
und das keimende im roden,
ist der humus für den kuss.

ist der humus für den kuss.
(c) lorilike