noch drei wochen

bis zur wende. der sonne. noch drei wochen des wachsens.

jedes jahr werden meine archoneuronen, oder wie die antennen für naturvorgänge heißen mögen, wachsam und empfangsbereit wie kleine tierkinder. es ist das nahende yin, während das anschwellende yang noch farbenreich und saftsatt anflutet. ich spüre, wohl weil ich sehe, wie die noch angeknabberte, noch unterworfene nacht, die man beinahe auszählen wollte, bereits ihre titanischen kräfte remobilisiert. ein samenkorn in uns weiß das, dass es nie bleibt, wie es eben ist, und dass es – in diesem fall sicher via erfahrung, egalwelche – ganz sicher wieder abwärts geht. nein, tut mir leid, ich bekomme die gleichbewertung von winter und sommer nicht hin, bei allen ernsthaften mühen mir gleichmut und gesamtschau anzueignen. ich liebe warm und hell, und kalt und dunkel macht mich krank. sobald ich das zu ändern vermag bin ich entweder vollendete priesterin im tempitempel oder in einer anderen welt.

ich fürchte diese sommerwende, wie ich die winterliche liebe; ist mir letztere gnade und erbarmen und verheißung, so ist mir diese der keim des einfaltens, des kürzens, schmälerns, einnachtens, des yin eben. der berg, um im bild der alten chinesen zu bleiben, beginnt seine schatten zu werfen. und an den wendepunkten offenbart sich das ankeimen des gegensatzes am schreiendsten. also mich betäubt es hin und an. wertfrei kann ich da nicht bleiben, wenn ich auch das tue, was die ahnen auch immer taten, ich imaginiere himmelhohe geistwesenheiten, titanen und chtonische kräfte, deren ewiger kampf um die vorherrschaft am erdhimmel in reigen und kreisen und spiralen sich vollzieht. das ist beruhigender, für mich, als an erdachsen und planetarische systemimmanenzen zu denken, die astronomie ist mir da wurscht und kaum hilfreich, es sei denn, sie bestünde aus dem einen satz: „auch das geht vorbei“.

muskulöse, in vulkanischen rüstungen entfesselte mannsbilder und  wehendhaar einstürmende wunderweiber mit ährenkranz, deren wüten, röhren, jaulen und aufbäumen unsere welt hier unten gestalten, die sind mir lieber. nicht erklärungshalber, nur bildhalber. die erdachse ist mir schnuppe, ich riete ihr, sich ein wenig mehr zugunsten der hiesigen zu neigen (über das h i e r muss unbedingt noch geschwafelt werden), aber sie würde mich verlachen. es ist das, was in AVATAR  ausgesagt wird, die natur ist nicht parteisch. die erde ist rund, daher wird immer auf der einen seite dies und der anderen das sein, und wer das nicht hinnimmt, kann sich auf die reise machen, dem sommer etwa hinterher, wie gilgamesch dem lebenskraut.  das macht alles sinn, weil es komplett unsinnig ist, und daher der geworfenheit in dieser welt mit dem protestimpetus des urmenschen begegnet, statt mit der rationalisierten seufzbeklickung moderner kaffeeautomatenweicheier.

ja. aber genug der vorschau, nächste und dauerlektion ist „leben im jetzt“. trallala, wenn nicht damit, womit sonst machen die lebenshilfekritzler (bitte das r hinzulesen) ihre kohle, ganze buchregalle voller lebenimjetzt, genug, um ein paar jahre das leben vor lesens ganz zu ignorieren. gennnau, jetzt. jetzt. jetzt.

angenommen, man schriebe ein ganzes buch nur mit dem wort  j e t z t  voll, wie dick müsste das buch sein, damit hinter der letzten seite nicht doch die kuchenkuvertüre  zuklappt und das jetzt zum                     d a m a l s  wird? keiner kommt hier lebend raus, aus dem nichtjetzt., und das ist jetzt kein sprachjoke. und ein joker auch nicht, man kann aber natürlich so tun, als ob, und sich im ärmel von den schweißgeweichten  rändern dieser einen einzigen fluchtkarte kitzeln lassen, ohne oder mit r.

ist ja was anderes als ein flugticket.

doch wieder zurück, beim schopfe muss ich mich reißen, zurück zum zeitpunkt „drei wochen noch bis“;     und schon ist der punkt wieder linie. da lachen die olympier laut.

was sündhaft allerdings an meinen gedanken hier ist,  dass ich nicht das komplette anufern abwarte;       man feiere die feste, wie sie fallen, und bitte nicht j e t z t  schon mit jammern loslegen, mein kluges elschen (els -chen, nicht etwa eselchen ). ich dürfte diesen text erst am 23 juni posten. dass ich ihn jetzt schon abschieße ist, auf langsicht der planetarischen vorgänge gesehen, sündhaft. kultur. und untergang.

zackzack, wieder ein stehsätzchen produziert, das jederzeit von der realität niedergeknüppelt werden kann und von den schwärmerischen nymphen meines morgendlichen redeflusses bacchantisch angesäuselt einhertorkelt.

ist aber klar, was ich meine, oder? : jedes vorausschauen, jede systemerkenntnis und  jede entwurfbildung ermöglichen kultur und reißen aus dem jetzt heraus. (ich habe manchmal den verdacht, ich täte gut daran, ab und an an meine leser zu denken. es ist nur so, beobachtung also und wie jetzt, beobachtung zweiten -luhmanschen – grades, sind exegetischer natur, sie kommen nicht immer zu wort, während die urknäblein der wortmutter sich mit goldsand am ozeanufer jubellaut bewerfen). alles klar, nech.

so, also keim des yin, mitten im yang. genau in der ultragigasowasvonmitte des sommeryangs das körnchen yin. und weil es mehr als nur ein punkt ist (den punkt gibt es ja nicht, wie soll ein punkt gehen, es ist immer ein körnchen, klümpchen, kleckschen, es sei denn ein quantisch geschulter physiker erklärt mir das anders), weil es eben mehr als ein punkt  ist, darf ich auch bisschen eher mit dem jetzt anfangen, damit ich das krümelchen auch bis eintritt des j e t z t  ordentlich scharfkonturiert hinbekomme. deshalb arbeiten die  alten chinesen mit tusche und feder, weil diese yinyanggeschichte gar nicht scharf genug konturiert werden kann, handelt sie doch genau von der diffusion der zustände. ineinander. dem wechsel, den waaaaaaaaandddddddlungen.  genau, i m m e r , ist, pardon wenn ich das mal so schroff sagen muss,

n i e  j e t z t ,  jetzt ist ein modell, einerseits, rein gedanklich, und vielleicht auch die illuminativ uferlose seinhaftigkeit, das mysterium, das reismahl der mystiker, jedenfalls nix was man preisgünstig beim türken um die ecke zwischen drei reifen granatäpfeln ausheben kann.

jetzt (!) kommt hinzu, dass dieser vormalige winter kein echter winter war, es war nur eine kältephase, also statt der ordentlich ausgepinselten yinhälfte ein breiartig sich schlingernder dauerkalter unterfrost. das ging dann kommalos in sowas  wie lenzpotenz über, aber echt ne sehr hohe potenz, also LM.irgendwas, da sich das kaum in der welt ausdrücken konnte und man im april noch durch kaum angegrünte wälder schritt, als wären die baumsäfte unten eingedickt. aus mangel an beweisen.

als nämlich ( wo kein jetzt, wo dann ein als??)  die tagundnachtgleiche zum appell antrat, war das vor wacheschieben paralysierte regiment noch beinlos immobil und generiert bis heute zwar grünsatt und blütenbunt, aber sehr spärlich nur soooooooMMMMMMMeeeeer.

(unter uns, das ist hier nur die altdämliche gartenzaunrede vom „ich glaube, dies jahr fällt der sommer aus“, für die ich gewöhnlich meine redepartner mit einem kinnhaken versehen möchte. deshalb habe ich das so dick bemäntelt in phrasenhülsen, damit ihr nicht gleich mit einer keule gegen den bildschirm antretet.)

es fällt nix aus, nur die ruhe. es ist nur anders. die chinesen haben ja fünf jahreszeiten, nebst den bekannten noch den spätsommer. im grunde, so scheint mir, haben sie recht, ist doch der spätsommer die echte reifephase, die zeit der erdreichsten schattenwürfe, der indigofarbenen dämmerungen und der fruchtfleischrosaroten enthüllungen, die dem erdschoß schmeichelhafteste jahrestracht. sie gehört daher dem element erde an, so wie der sommer (nur sommer) dem feuer angehört, der winter dem wasser, der herbst dem metall und der lenz dem holz. für mich macht das sinn, sinnlichstsinn, ordnen sie doch, die chinesen, auch geschmäcker und farben hinzu, die talentierten synästhetiker, so dass man, wie ich finde, durchaus beschlürfen kann, warum der scharfe herbst metallisch schmeckt, das frühjahrsholz sauer und die sommerglut süß. nur haben die chinesen keinen spätwinter, der dem spätsommer die macht streitig machte, obwohl man den spätwinter, allemal hier, sattsalzgurgeln kann. spätwinter ist, wenn man ende mai noch einen schal braucht, abends, und wenn die seiende nachtlänge schon morgens vom zauderhaften hamletianischen „oder nichtsein?“ unter die wolkendecke gefegt wird. dauerhafte, feuchte kühle, wenn das nicht nibelungisch ist, heiß ich brunhild und fresse einen nordgermanischen götterknaben mit haupthaar und tarnkappe auf.

mondieu, schon wieder so spät. und die finger machen immer noch liebe mit den tasten, schreiben ist so gehaltvoll erotisch, da will man kaum aus dem tastenbett heraus.

deshalb sagt man, man „klopfe sich auf die finger“, um aufzuhören oder nichtzubeginnen. alter schreiberspruch. diese irren indras und wie die hinduistischen ewigkeitsherren alle heißen, die erde und all und schildkröten und elefanten auf ihren knien schaukeln wie schlafende kätzchen, oder dieser durchgeknallte shiva, der immer tanzen muss, weißgott, der kerl tanzt auf den tasten einer kosmischen schreibmaschine und sein endlosblatt ist eine endlosschleife aus endlosphrasen einer endlosbotschaft zwischen endlosen ,

mein gott, lass für später was übrig!

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