und wieder beepbeep!

hach, morgens, noch mit wattigem schädel und klammen fingern, kaffee rechts, ziggi links, sich hinsetzen und draufloshämmern. ich hämmere nämlich, selbst auf der schmiegsamsten moostastatur, ich fordere, eine deformation professionelle wohl, oder reminiszenz eines alten lebens, in dem ich an einer fetten, glanzschwarzen amerikanischen turboschreibmaschine saß. sicherbin, in alten amifilmen habe ich diese indexikalische sequenz geliebt, des autors hände die knüppeligen tasten folternd, innehaltend, blatt rausreißend, neues rein, weiter …  das ist das inbild für schreibenmüssen.

ich habe den traum, eines tages ein so wenig von kulturkrach und  polispoltern verschwalltes  leben zu führen, dass ich mich im morgendlichen reflex, noch vielleicht vor sonnenaufgang, an ein tippetapgerät setze und tranceartig ihm um dem dann sich entspinnenden mein allmähliches erwachen anzuvertrauen. ein zuverlässiges gerät, eins, bei dem ich robuste aktivitäten mir leiste, weiß, wie ich den bildschirm auf sehschwaches anschwellen bringe, mit einer kautschuktastatur, die ich nach belieben schütteln und traktieren kann. das hier ist nicht der fall; mein liliputanisches kreidekäferchen trippelt zwar sehr unerschrocken, aber ich bringe im schreibprozess die bildvergrößerung nicht an, erst im nachhinein, das heißt, ich muss speichern, dann ansehen, dann korrigieren. gut, ist ja egal, ich verbrauche dabei nicht so viel papier wie in meinem schwarzglänzenden amerikanischen vorleben, weder trocknet die tinte, noch klemmt und knistert was mechanisches, es geht flüssig voran und ich muss nur die taste treffen. das ist ja der casus beim schreiben, das treffen.

das wäre mein traum. morgens ein paar zeilen wachknuddeln. machen sie mit und erwidern mein liebesdrängen, mich einem werweißwie langen silbenbeischlaf hingeben, ohne angst, ein wichtig vorhaben in dieser so wichtigen welt interruptet unsern akt. dann, wenn der anfall rum ist, zuklappen, duschen, lüften, auf der matte yogisch entknittern, um dann so, zur mittagstunde, im tagzenith aus dem haus zu gehen und sich entspannt den forderungen stellen. achtlosen, unwachen, tolpatschigen erdenbürgern, die wegelagernd schmale altstadtstraßen beengen,  schrillquietschendem jungweibsvolk, finster tagtunnelnd dreinglotzenden frührentnern und polierten bürohengsten mit offenem hemdkragen und dreitagebart und fastglatze, achgott, diese mooooden! nicht ein jeder schädel verträgt diese normierte erfolghunger denunzierende tracht, das soll auch mal gesagt werden, obwohl es längst alle wissen und ignorieren. es ist ja so, dass eitelkeit als etwas internes, die eigene seele nötigendes dechiffriert wird, wer schön sein will, der soll es für sich tun und ist also egoman, dabei ist es auch so, man sollte auch an die umwelt denken und sich fragen, was man ihr bietet, aus menschlicher verantwortung und philanthropie, und daher ist sich selbst schön machen ein akt in der polis. mich machen hässlich dreinschauende menschen wütend, weil meine spiegelneuronen auf maximum eingestellt sind und mich diese nibelungische seelische dunkelheit anstecken könnte. ich guck  manchmal auf der straße spontan weg, vielleicht sogar mit herabhängenden mundwinkeln, tutmirleid, echt, weil ich manchen anblick nicht ertrage. aber das nur so, damit man versteht, was ich unter kulturkrach summiere.

und nach etlichen stunden silbenbeischlaf oder meinetwegen einem dreisatzquickie nur, wäre ich eben weit besser in der lage die traumwandlerische unvernunft dieser spezies zu ertragen.

genau.

und dann, nachdem ich der stadt rundenweise den rücken kehrte, eine tasche voll mit gemüse, oder wollknäueln oder eben nur halb befüllt und hinreichend genickt und geplauscht und geschwätzt habe und beiläufig lebenszeichen gab, und wasmansotut, dann heimradeln, um dort rasch und beschwingt tausendkleine tausendfache vielfältigkeiten  zu entfalten. entweder ne stunde häkeln, oder eine kochen, eine papier sortieren, eine yoga, eine staub entfernen, oder zwei, oder nur dreinglotzen, dann den abend einläuten mit einem deliziösen movie oder einer schmackhaften k u l t u r sendung, oder einem hingebungsvollen telefonat mt einem seelennahen … und dann gucken, ob meine tastenkonkubine oder meine sonstwie geschlechtsreife wortaffäre nochmal gekitzelt weden will. ja, das wär’s.

ich kenne nämlich keine langeweile. hab nicht die gerinngste ahnung, wie sich das anfühlt, und in letzter zeit musste ich das oft nachprüfen und wiederholen, weil viele besorgt sind, ich könnte verwelken und eindörren, so, in den langen tagen, die mir jetzt zugestanden wurden. das ist eine gute sorge, ich bin ja dankbar für sie, aber sie ficht mich nicht an. der tag ist immer noch zu kurz, ich werde verlängerung beantragen, speziell bei denen, die jetzt die noch anwachsende taglänge bis zur sonnenwende zu verantworten haben.

in zwei tagen feiere ich dreißigjährigen. aufenthalt. hier, im land der nibelungen, der rheinschätze und der reinbekreime. und vor dankbarkeit könnte ich das halbe gebiet mit moosen und farnen begrünen und das andere halbe mit sonnenblumen anknipsen. die chance, in dieser blutgetränkten welt, am tisch zu sitzen und solch anmaßendes geschwätz in den äther zu pusten ist kaum zu würdigen. während andere hungern und sterben, im bombenhagel, in der hitze und im eis darben, in erdspalten rutschen und von fluten verspült werden, sitze ich hier bei nesskaffee (freiwillig, schmeckt mir) und wettere gegen die welt. unvorstellbar und ich weiß, auf knien müsste ich morgens danken, dreimal den block umrunden, wie diese durchgeknallten kopftuchfrauen in den basiliken, rosenkränze statt rasende krätze, jaja, müsste ich und tue es nicht und das bleibt so. weil wir tun müssen, was wir tun dürfen und können. und das sogar so bissl kategorisch, aber um sowas kümmere ich mich nicht sehr, obwohl  … das kann noch kommen.

so. das war jetzt die demo, wie das gehen könnte, ganz sicher angeheizt von der salingerlektüre, das ist das gefährliche am lesen, es verdirbt einem die ursprache. wenn man die ganze kindheit und jugend liest, muss man es danach fast lassen, will man zu einer eigenen sprache finden. ich, durchlässig und durstig wie ein schwamm, ich nehme sofort die farbe eines anderen an, das ist zwar lehrreich, aber auch hinderlich, weil es einschränkt und zu unmotivierten selbstbeobachtungen führt, die ich nicht einbaue, wenn ich nichts lese. also ich meine echte lesekunst, echte autoren, starke worte, nicht den inhalt der freizeitgeologenzeistchrift, heruntergegoogelte beinaheinhalte oder anleitungen zu häkelpullovern, mosaiklegen oder dachbegrünung. es ist schrecklich, eingefärbt zu werden, etwa wie „seidenmalen im stile von …“ , da hatte ich ein buch, das hätte mir fast die freude am seidenmalen verdorben. nee!

also, entweder ich lese nicht weiter  und schreibe hier, oder ich lese weiter und riskiere unter einfluss zu stehen, also quasi betrunken auf den wortbahnen zu chauffieren, das entzieht zwar nicht den schein, aber es vergibt punkte in der literatursündenkartei. sofern freilich von literatur gesprochen werden kann,

aber jetzt werde ich so frech, dass ich, obwohl erst jetzt die finger entkrampft tanzen können, erst jetzt die lautquellen anrauschen, lieber aufhöre.  genau, muss ja noch korrigieren und wenn ich nicht aufhöre, sitze ich stunden später an diesem wohl kaum besonnbaren, regengetränkten tag noch am liliputanischen tastenkäfer  und spiele große amerikanische highwaygames.

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