auf die anfrage, ob es denn

die menschenwürde überhaupt gäbe, im forum siewissenschonwo …  sage ich:

ich würde nicht fragen,
ob es sie an sich gibt. sie ist ein abstrakter begriff. ich würde fragen, warum es sie geben muss, wobei dann der antworten so viele (mir ein-)fallen, dass man sie fast nicht mehr geben muss. aber darf und soll. und zwar möglicherweise öfter und auch sich selbst und auch außerhalb von foren.
aber innerhalb der gemeinschaften. denn, wäre ich allein im wald, wie in „cast away“ verschollen und inmitten der natur, würde die würde obsolet werden. oder eben universal, je nach gesichtspunkt. sie ist relational, aber nicht relativ. notwendend, wo sie hinreichen muss. sie macht gemeinschaft überhaupt erst erträglich, in relation zu bestimmten gegebenheiten. etwa der unsrigen ersteklasse verfassungsgeschützten welt. in einer gemeinschaft von kannibalen kann sie anders ausfallen, ich kenne mich da nicht so aus. ob es da eine würdevollere verspeisung der nichte als die des onkels gibt.
also ist würde eine geschichtliche variable. ein fortschritt, seit wir wissen, dass brothungrige nicht mit kuchen verspeist werden können und man nur noch zigarren guillottiniert.
aber ein fragiles unterfangen, nicht wahr? als mir neulich einer vortrug, er habe sich über die wendung „unwürdige verhältnisse“ bezüglich der unterbringung der flüchtlinge in zelten empört, wo, zitat: > die doch daheim ja auch nicht anders hausen <, da blieb mir der mund offen. würde kann gar nicht gesättigt genug am hunger entlangdefiniert werden. würde ich wollen, dass ich …

so denke ich, soll würde im meer der möglichkeiten ufer definiert bekommen, muss ich sie in relation zu mir sehen. mich selbst muss ich anerkennen und erkennen, eh ich anderes erkennen oder verorten kann.
na, das hat aber wirklich schon mal einer geschrieben!

in „cast away“ bekommt ein ausrangierter sportball humane gesichtszüge aufgemalt. weil er zu einem dialogpartner wird und somit symbolisch vergemeinschaftet wird. nun hat der ball, so sehe ich das, würde. er würde sprechen, wenn er könnte.
…….

ich bedanke mich bei pue für die immer wieder befriedend weisen einwürfe.
und teile das meiste, was er schreibt.

für mich ist würde eine idee, eine platonisch ins firmament eingestanzte universalie, deren wesen es ist, sich im leben überhaupt zu manifestieren. wir haben sie entworfen, mit dem teil unseres bewusstseins, der mitunter unserem alltagsbewusstsein vorauseilt. das haben wir gemacht, weil wir sie brauchen.
deshalb ist sie, so sehr es spaß macht darüber zu sinnen, daran zu knabbern und stöckchen zu werfen, unantastbar. wir haben sie so hoch geworfen, dass wir selbst nicht mehr hinreichen.
also weder entziehen, noch vergeben können wir sie, wie mehrfach geschrieben.

ich selbst, ich weite das für mich aus. mir ist alles leben voller würde, voller hohem glanz einer sich kraftvoll durchsetzenden information. man kann sowas vergöttlichen, und an den ideen kleben ja archaische bilder an. das haben wir aber nicht mehr nötig.

ich ekelte mich immer vor meeresfrüchten, hab weggesehen, wenn jemand sowas bestellte und im fischladen streng daran vorbeigesehen.
im sommer war ich an der nordsee; da hat ein biologe eine garnele aus dem aquarium gefischt, das sie soeben vorübergehend aus dem meer herausgeholt hatten, und hat sie über seine finger wandern lassen. das tier hat sich bewegt, mit einer anmut und geschmeidigkeit, wie eine sich drehende dns-schleife. hat sich abgerollt, ihr kurzes garnelenprogramm sich gedankenlos (denke ich) aus der nicht-rippe geschnitten. ich stand da, war baff, und habe nur gedacht: wer bist du, mm, dass du dich ekelst vor einem stück sich entrollenden lebensfadens? sieh hin, wie wahrhaftig das tier ist, wie voller schönheit und existenz.

mich hat das förmlich ins mark getroffen, hat in mir eine völlig unbekannte glückslavine entlassen, die ich jederzeit nacherleben kann, eine art erkenntnis. des lebens, in seinem zauber.
und das ist es, was würde impliziert: die unumwundene anerkennung des lebens an sich. der wendung zum sein.

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