21.28 uhr, 17°C

Ein begnadeter Tag. Oder gesegnet. Wie der Sommer und der Herbst auch.

Bei offener Balkontür schreibend, mit einem Heranwehen der Vorhänge, dunkel und seidenweich, ein Hauch von Kraft und Helligkeit, den der Tag einwehte, als ob noch Sommer wäre, als ob die Jugend noch da wäre, als ob alles still halten würde. Und tatsächlich verläuft der Abend auch seit Stunden langsam, die Zeiger der Uhr, leuchtende Punkte, ändern nur langsam ihre Anordnung. Es scheint alles in eine Trance gebettet zu sein, in ein leuchtendes Letztgrün und ein gelbrotviolettes Gleißen, der Tag beschwimmt den Raum von Tagundnachtgleiche hin zur Wende, wie ein Wal webt er sich durch die Rillen der Welt.

Ich habe sie heute so genossen, so eingeatmet, nehmend weit aufgesogen, diese irrlichternden, langsam sich legenden Schatten, die Silhoutten, die Tiefen, die blendendweißen Flecke und das Warme. Wie mild, wie behaglich, viskos, diese honigreine Luft!

Und in den Dingen, die da schlingern, weben sich bunte, matt glänzende Spinnfäden eines sich allmählich über uns neigenden Netzes. Ein Wabenwerk aus sandelduftenden Tagesspänen, magnetisch um eine wortlose Mitte perlend.

Dankbarkeit ist ein erhabenes, ein beglückendes, ein schenkendes, feierndes Gebet. Es ist das uferlose Feld der Freude, reines Gewahrsein, sich selbst spüren, sich selbst feiern, und das Samtgesamte  anreichern.

Honigbrot in der Weizenähre, Weinbeersorbet, ein Schluck Leben, ein Gurgler Wirklichkeit.

Je mehr man bei sich ist, je tiefer man in sich fällt, eintaucht in die eigenen Lungenbrunnen, Herzwirbel, Hirnwinden, desto stiller wird es, und lauter. Das Mitteilen wird grobkörniger, und das Erleben schärfer, die Wirklichkeit bootet die Beobachtung aus, in ihrer Deutlichkeit, und der Verstand schnappt Luft wie ein Fisch – langsam, blubbernd, erschöpfend präzise und adäquat. Die Unterwasserstille des Gründlers, der unten im Sand seine Kreise zieht.

Meine Yoga -Sessions der letzten Tage waren Balsam. In der Dämmerung dieser lichten Tage die Dehnung meines Körpers zu spüren. Und als K. fragte, ob ich jemanden kennte, der ein Ausdehnungsgefäß einbauen kann, sprach sie das aus, was ich spüre: Welt und ich sind ein Organ, unsere Gewebe sind verwandt und lechzen nach Begegnungen, die Wesenheit Mensch und das Multiversum sind zwei Seiten eines Atemzugs, die sich selbst wechselnd verflechten. Ein Gefäß der Ausdehnung.

Summsumm.

Summsumm.

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2 Antworten zu “21.28 uhr, 17°C

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