bevor der pfau

001 ein symbol für eitelkeit war, war er eins für wachsamkeit.  eins dafür, dass wir uns entfalten sollten, wollen wir das bunte am licht erfahren.

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dia,

004(das ist ein kommentar)  – das gedicht von rilke, das du öfter postetest, von denen, die wenn jetzt nicht, so lange kein haus haben werden, das liebe ich, es ist voller kulturtrauer, aber es könne auch etwas dergleichen archaisches meinen: dass, wer jetzt nicht vom wind verteilt wird, wohl länger auf standortwechsel und evolution warten wird müssen. es sind die samen, die die nicht der wind voranbringt, die dann in der stille warten.

oder sie sind auf vogelkot als transportmittel angewiesen … die langsamere art der völker- und seelenwanderung.

an den fäden meiner armbänder lerne ich über das weben der zeit: wie etwa eine weggabelung durch eine einzige „verkehrte“ verknotung relevant wird; wie man bei bestehender anordnung der fäden, durch einen einfachen trick, den richtungswechsel, ein ganzes muster beeinflusst. ein atemzug, und alles ist anders. deshalb feiere ich zunehmend jubelnd jedes jetzt.

jau!

(bild wird noch verschärft, nur hab ich jetzt keine zeit dafür)

heute las ich

008über a d v a i t a , die nicht-dualität. oder nichtdualität?

ein sturm legte das land flach und begattet es immer noch rauschend und sausend mit den spermien herbstreifer samen. ur – meteorologisch dürften stürme diese erde bevölkert haben, samenstürme, wie heute einer, der das wasser mitbringt. der sogleich gießt, ein sich ergießender, potenter, brustbehaarter, beinharter, pflügender gott, der sich der errötenden sanftmut der welkenden scholle annimmt. deshalb auch die pracht der letzten spätsommertage, das brautkleid der alten jungfer, der jungen matrone, die sich justamente aus ihrer seidig glänzenden bunten stola enthüllt und hingibt.

einem solchen schauspiel beizuwohnen hinterlässt einen schauer aus sich in wärme verwandelnden kalten auspeitschungen: der synthese aus argem tun und ergötzlichem hinschmelzen. dieser sturm war so abrupt und unmissverständlich, dass er mir mehr imponiert hat, als es je ein mann tat. und doch in derselben, sinnlichen, archaischen art.

so, und nun pflügt er die imponderabilen luftäcker mit seiner bestäubung und im nächsten frühjahr werden samen erwachen,  an ganz anderen orten, die an ganz anderen orten landen. die natur wird kinder bekommen, bastarde. stürme sind die draufgänger der grenzen, die grenzgänger. pures yang und angebrandetes yin.

und das land, und ich, legen uns milde in die böe und widerstehen dem anwehen nur in maßen. in maßen der vertretbarkeit, so weit wir tritt auf schritt messen können. ego und selbst messen können. und das ununterscheidbare sowohl-als-auch. dieses zeitalter des herbstes, vor einem monat als tagundnachtgleiche empfangen, usurpiert die joviale anmut des sommers. der neue gott ist harsch und mild, wächsern und eisig. und die erdlinge beugen sich der kraft. immer noch

ist die natur unsere wiege. und an ihren grenzen sitzen die zähmbaren zerberusse der kulturellen tat: die erinnerungen, hunde in zwingern und jaulende wolken am himmel der geschichtlichkeit.

21.28 uhr, 17°C

Ein begnadeter Tag. Oder gesegnet. Wie der Sommer und der Herbst auch.

Bei offener Balkontür schreibend, mit einem Heranwehen der Vorhänge, dunkel und seidenweich, ein Hauch von Kraft und Helligkeit, den der Tag einwehte, als ob noch Sommer wäre, als ob die Jugend noch da wäre, als ob alles still halten würde. Und tatsächlich verläuft der Abend auch seit Stunden langsam, die Zeiger der Uhr, leuchtende Punkte, ändern nur langsam ihre Anordnung. Es scheint alles in eine Trance gebettet zu sein, in ein leuchtendes Letztgrün und ein gelbrotviolettes Gleißen, der Tag beschwimmt den Raum von Tagundnachtgleiche hin zur Wende, wie ein Wal webt er sich durch die Rillen der Welt.

Ich habe sie heute so genossen, so eingeatmet, nehmend weit aufgesogen, diese irrlichternden, langsam sich legenden Schatten, die Silhoutten, die Tiefen, die blendendweißen Flecke und das Warme. Wie mild, wie behaglich, viskos, diese honigreine Luft!

Und in den Dingen, die da schlingern, weben sich bunte, matt glänzende Spinnfäden eines sich allmählich über uns neigenden Netzes. Ein Wabenwerk aus sandelduftenden Tagesspänen, magnetisch um eine wortlose Mitte perlend.

Dankbarkeit ist ein erhabenes, ein beglückendes, ein schenkendes, feierndes Gebet. Es ist das uferlose Feld der Freude, reines Gewahrsein, sich selbst spüren, sich selbst feiern, und das Samtgesamte  anreichern.

Honigbrot in der Weizenähre, Weinbeersorbet, ein Schluck Leben, ein Gurgler Wirklichkeit.

Je mehr man bei sich ist, je tiefer man in sich fällt, eintaucht in die eigenen Lungenbrunnen, Herzwirbel, Hirnwinden, desto stiller wird es, und lauter. Das Mitteilen wird grobkörniger, und das Erleben schärfer, die Wirklichkeit bootet die Beobachtung aus, in ihrer Deutlichkeit, und der Verstand schnappt Luft wie ein Fisch – langsam, blubbernd, erschöpfend präzise und adäquat. Die Unterwasserstille des Gründlers, der unten im Sand seine Kreise zieht.

Meine Yoga -Sessions der letzten Tage waren Balsam. In der Dämmerung dieser lichten Tage die Dehnung meines Körpers zu spüren. Und als K. fragte, ob ich jemanden kennte, der ein Ausdehnungsgefäß einbauen kann, sprach sie das aus, was ich spüre: Welt und ich sind ein Organ, unsere Gewebe sind verwandt und lechzen nach Begegnungen, die Wesenheit Mensch und das Multiversum sind zwei Seiten eines Atemzugs, die sich selbst wechselnd verflechten. Ein Gefäß der Ausdehnung.

Summsumm.

Summsumm.