rund ung

ich bin auf der suche nach einem buch, idealerweise hörbuch zur soziologie des handwerks. ich habe im netz heute abend nichts gefunden. ich muss vermutlich unter kulturgeschichte gucken oder so.

ich habe viel erlebgehäkelt in letzter zeit. und ich mache mir gedanken über das wesen der entstehung eines handwerklichen produkts, über den vorgang des er – schaffens. wenn ich das bild dazu hernehme, dann ist es der gegenwärtige standpunkt einer intendierten arbeit. welcher arbeit, sage ich nicht, denn das ist ja das interessante, es kann jederzeit abgewandelt werden. mir gefällt das enorm, nicht genau zu wissen, was dabei entstehen soll. also schon, aber auch nicht. der eine punkt, der alles verändert, der soll immer dabei sein, ein konzept zu verlassen ist enorm befreiend. finde ich.

analog auch, wie unsere lebensräder, unsere jahresringe, ihre je eigene kontur und dichte haben, und wie sie erwartbar weiter wachsen und integriert werden. an einem punkt unserer persönlichkeitsentwicklung werden wir sicher in ein system integriert worden sein, aber das rund wachsende ist symbolisch aufs tiefste mit bewegung verbunden. ein quadrat wird . in unserer kultur öfter mit begrenzung und koordinaten verbunden. das runde rollt davon, ist unfassbar.

räderwerk. ein ding, das mich auch beschäftigt. das eintauchen in diese mandalas scheint an unterscheidungen anzudocken, die unter der uniformität die vielfalt wittern: rund, aber immer anders bunt, anders strukturiert. daher sinniere ich über speichen, über die gerüste unseres egos, an denen das kernselbst zu seinen ufern emporwachsen kann. das wesen der nabe ist das, des zentrums, aus dem alles entspringt. und so begreife ich das wesen eines mandalas auf ganz praktische weise.

und uns auch. indem wir in uns selbst eintauchen, bekommen wir wind von unserem tun, wir haben den flow. der zustand ist aufs höchste beglückend (dies wort mich zum glück verfolgt), also lernt man darin leichter und fester, man ist high level.

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5 Antworten zu “rund ung

  1. Die Soziologie des Handwerks- stimmt, darüber müsste zu lesen sein und wenn nicht, dann wäres es an der Zeit, etwas darüber zu schreiben.
    Wenn ich jetzt unser beider Spass am Tun mit Fäden nehme, dann ist aus einer Notwendigkeit in früherer Zeit eine von Verpflichtungen freie und den kreativen Geist aufs vorzüglichste befriedigende Angelegenheit geworden.
    Und das allerbeste ist: es muss nichts fertig werden. Was für ein Seelenspaß!

    • Deine Zeitschriften in Ehren, Diamia! Soo schön, hab sie Vielen gezeigt. Und nun mache ich eben Symmetrisches und übe das Zählen. Das ist wie Rosenkranz bemurmeln, aber weißgott, wie ich meine, produktiver.
      Balduineske Kullerpunktegrüße!

  2. Soziologie des Handwerks:
    http://www.zeit.de/2008/06/ST-Sennett
    auch:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sennett

    Vielleicht nicht ganz das, was gemeint war. Die Rezension erwähnt einen „Trieb zum Handwerk“.

    Bewußt ist er mir geworden beim Beobachten von Handwerkern in Florenz – wie sie einen Goldrand auf ein Bucheinband aus Leder aufbrachten, wie sie die Skizze zu einer Florentiner Lampe zeichneten (die wie Blumensträuße aus handbemaltem Blech aussehen), wie sie einen Aktenkoffer herstellten (erst ein Holzgestell, dann innen und außen mit Leder und Beschläge versehen). Die richtige Temperatur des Rädchens zum Aufbringen des Blattgoldes, erhitzt suf einer kleinen Gasflammme? Finger bespuckt und ans Rädchen gehalten: „Senti, Signore: pffft!“ So machte es auch meine Großmutter mit dem Bügeleisen…

    Den Aktenkoffer habe ich gleich gekauft, er steht immer noch bei mir in einer Ecke.

    Ob wir Fäden wirken, Steine behauen, Holz zum Schmelzen bringen; ob mit oder ohne Idee und Plan, ob diese Gestalt erlangen oder halbfertig ewig drauf warten: wir bestimmen, was Erfolg ist und was nicht, egal, wer sich sonst den Mund zerreißt.

    Dann sind wir Mensch, triebhaft,

    • Den Sennett hab´ich bestellt, Steinspecht, danke!
      Nach aktuellem Guckresultat das Einzige zum Thema. Erscheint mir aber unglaublich, soll denn echt keiner eine gesonderte Kulturgeschichte des Tuns geschrieben haben? Ich werde berichten. Das Allerneueste ist, dass ich nun erstmals nach Anleitung häkele, bisher habe ich alles „erfunden“. Ist witzig, wird symmetrisch und korrekt, statt schräg und fehlerfroh, wie bisher. Es ist auch interessant, dass man dabei einen anderen Flow erhält, als beim kreativen Drauflos; man muss paradoxerweise weniger denken, also anders, mehr zählen, statt improvisieren. Mal sehen, wie ich dann beide Modi verbinde.
      Deine Antwort freut mich.
      Wer ist denn nun Patron der Handwerker? Hephaistos? Für die Frauen Hera, oder eher Hestia? Oder Demeter, weil sie heilt.
      Guckenmuss.
      Summsumm für die Tage!

  3. Einwurf der Häkeler: Suchend nach Werken fand ich höchstkomplizierte Muster. Konnte ich das mal? Offenbar ja sag ich. Nun liegt sie Musterkunst zwar gewaschen, aber nicht gespannt vor mir. Ziemlich verknittert. Um die Schönheit voll ersichtlich zu machen, werde ich die entscheidenden Ösen sorgfältig nach viertel, achtel und sechzehntel nadelgeschickt auf einen Untergrund pinnen.
    Ich merke, es sind zweiunddreissig Ösen. Borge mir Zanhstocher 😉

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