so, jetzt.

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rund ung

ich bin auf der suche nach einem buch, idealerweise hörbuch zur soziologie des handwerks. ich habe im netz heute abend nichts gefunden. ich muss vermutlich unter kulturgeschichte gucken oder so.

ich habe viel erlebgehäkelt in letzter zeit. und ich mache mir gedanken über das wesen der entstehung eines handwerklichen produkts, über den vorgang des er – schaffens. wenn ich das bild dazu hernehme, dann ist es der gegenwärtige standpunkt einer intendierten arbeit. welcher arbeit, sage ich nicht, denn das ist ja das interessante, es kann jederzeit abgewandelt werden. mir gefällt das enorm, nicht genau zu wissen, was dabei entstehen soll. also schon, aber auch nicht. der eine punkt, der alles verändert, der soll immer dabei sein, ein konzept zu verlassen ist enorm befreiend. finde ich.

analog auch, wie unsere lebensräder, unsere jahresringe, ihre je eigene kontur und dichte haben, und wie sie erwartbar weiter wachsen und integriert werden. an einem punkt unserer persönlichkeitsentwicklung werden wir sicher in ein system integriert worden sein, aber das rund wachsende ist symbolisch aufs tiefste mit bewegung verbunden. ein quadrat wird . in unserer kultur öfter mit begrenzung und koordinaten verbunden. das runde rollt davon, ist unfassbar.

räderwerk. ein ding, das mich auch beschäftigt. das eintauchen in diese mandalas scheint an unterscheidungen anzudocken, die unter der uniformität die vielfalt wittern: rund, aber immer anders bunt, anders strukturiert. daher sinniere ich über speichen, über die gerüste unseres egos, an denen das kernselbst zu seinen ufern emporwachsen kann. das wesen der nabe ist das, des zentrums, aus dem alles entspringt. und so begreife ich das wesen eines mandalas auf ganz praktische weise.

und uns auch. indem wir in uns selbst eintauchen, bekommen wir wind von unserem tun, wir haben den flow. der zustand ist aufs höchste beglückend (dies wort mich zum glück verfolgt), also lernt man darin leichter und fester, man ist high level.

fragt mich neulich einer,

w a s ich für ein yoga mache.

oops. hm.
ich sage, ich mache bauchnabelyoga. wenn der bauchnabel und der erdnabel verbunden sind, ist das yoga.

(diese sätze gehören mir. mirmir). – ohne copyright geht nix mehr heutzutage. dabei ist gerade das „ihr seid alle individuen“ seit zwei jahrtausenden im jackpot.

jedes jahr das selbe.

die selbe vertreibung aus dem paradies.  der selbe verlust an grün und zugewinn an gold. das blau entschwindet, und das meer wird blasser.

die quallen, die bleiben möglicherweise noch eine weile weiß und violett.

ich vermute, das biblische bild von der vertreibung ist wesentlich älter. archaisch. es handelt von der jahreszeitlichen wandlung, ähnlich dem tao te king.  von der vergänglichkeit aller erscheinungen, ob nun der grünen, oder blauen oder goldenen.

 

aber zu wissen, es geht weiter, ist eine andere kunst. sie verändert nicht den wechsel, nur seine konsequenzen. die beobachtung der veränderung aller dinge ist in sich wertfrei, und doch aus sich heraus bedauerlich. das jetzt des grün und des sommers, des paradiesichen gartens, bleibt un-haltbar.

also auch jetzt … hinsehen, wie das kaleidoskop weiter dreht. neue muster und lichteinfälle, maserungen und texturen, reliefs und schatten. neue profile.

der sommer ändert täglich seinen status. heute zeigte er sich mildest, verliebt in sich selbst und leicht lazy, leicht lasziv. die nachbarschaft des fruchtigen doldens und samtesahniger blattunterseiten ist wie das delizium eines weisen flirtens. die sonne steht tiefer, während sie sich verneigt. sie ergibt sich der welt und hat dabei majestätische saumfalten. alles trägt – vor allem abends – eine schleppe in umbra und eine schärpe in indigo. und tagsüber diese wirbel aus gleißend warmem. köstlich! nichts kann genüsslicher sein, als, der endlichkeit bewusst, das jetzt aus sich heraus zu schälen.

einst gab es eine zeit der kastanien. es war eine zeit, da grünte die feuchte schale und die seidenmünder lugten ihre küsse hervor. es war der herbst der herrlichsten bilderwut, die mich je erfasste. sowas erlebt man nur einmal. aber jedes jahr werde ich jetzt an das jetzt damals erinnert.

ich glaube, das jetzt ist eine kastanie.

und ich bin ein eichhörnchen. jedes jahr neu.