unter den binnenseelischen künsten

erscheint die, den eigenen vogel zu zähmen, als hohe herausforderung, nicht?

 

heute früh hatte ich ein fest vor augen.

erstmals waren die meisen vor meinem fenster, die sonst, wenn beim mahl gestört, sofort davonfliegen, nicht weggeblieben.

sie kehrten zurück, schwirrten von oben herab, flatterten eine runde an der dachrinne, erhoben sich und landeten nach einem wirbel wieder, an anderer stelle, mit anderen pirouetten, vier, fünf mal hintereinander. immer neu sich gruppierend. 

flinke, blaue, tuschefedrige leibchen, fluffig im flug und zartest in der landung, schriftzeichen in die lüfte malend, klecksend treffsicher und von erhabenem zaudern, ein ballett-ensemble, eine gang, ein flashmob.

und ich steh da, mit offenen armen und augen und sehe mir die kleinen flugkünstler und trapezartisten an,  die kaskadeure, wie sie mich mit schleiern aus seidenfeinen liniennetzen einhüllen, ihre tiefe helligkeit über mich ergießend, wie sie mich betanzen,

und kann es nicht fassen, teil des mirakels zu sein.

 

*

 

 

 

 

 

 

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