fortsetzend …

erstens, ging es mir gestern um den begriff „okklusion“ verstanden als abdecken eines auges zum zweck der ausschaltung von doppelbildern,

und zweitens um den kulturschauer, den das angesichtigsein des unwägbaren, verborgenen, verschlüsselten hervorruft. der moment, in dem elisabeta den vampir entdeckt, markiert, meinte ich, diesen punkt. natürlich kann er auf dem koordinatensystem der zweipoligkeit, also zwischen kenne ich und kenne ich nicht verschoben werden.  er ist der qualität nach beliebig, nur im zeitraum verschieden; so gibt es ihn zum besipiel noch einmal im film matrix, teil eins, als erstmals „wake up, neo“ gelesen wird. diesmal also als doppelbödige konnotation, als evokation des kulturschlafes, aus dem es zu erwachen gilt, und als skript – internum.

 

diesen schauer zu spüren mag immer noch ein romantischer aspekt sein, ein delizium mit ihm zu spielen. wir kippen allmählich aus den wiegen der schlaflied – betulichkeit in die frissons des machtverlustes. das gekonnte hantieren mit den maschinen mag uns hinwegtäuschen, das beflissene befingern uns kontrolle suggerieren, aber wir werden allmählich in die innereien der festplatten genauso verschluckt, wie wir auf den ausufernden datenozeanen zu treibgut werden. wir ersaufen in der infoflut und schrumpfen im wunderland der miniaturisierung.

je kleiner die geräte, die apparate, desto gigantischer die datenwogen. deshalb meinte ich, dass wir in mecona, (dem treffpunkt der olympier mit den sterblichen) diesmal wohl eher den knochenhaufen ergattern. wo soll denn auch noch fleisch übrigbleiben, wenn es allerorts nur noch um das gerüst geht? wir skelettieren die wirklichkeit, schematisieren sie, anders ist sie kaum mehr zu entschlüsseln.

mich selbst macht das  ein bisschen frieren, auch wenn ich weiß, der vorgang ist in gänze nicht (und nie) vorausberechenbar, und auch, dass ich selbst kein end-resultat sehen werde, da es kein ende geben wird (ich jedenfalls bin kein apologet der sintflut).

das einäugigsein aber ist nicht eben erstrebenswert, oder? mir wäre lieber, ich könnte das ganze noch erblicken, wer aber kann das noch? ich las mal, dante sei der letzte universalgelehrte gewesen, nach ihm habe es keinen mehr gegeben, der das wirklichkeitskompendium hätte lesen, geschweige denn beschreiben können.

 

gestern las ich wieder den bären, flusser, den merlin hinter den nebeln von silicon valley.  da schreibt er, auf seite 73, in vilém flusser, medienkultur, 1993,  fischer tsb 50125,

Was so entsetzlich an der Bilderflut ist, sind drei Momente: daß sie an einem für ihre Empfänger unerreichbaren Ort hergestellt werden, daß sie die Ansicht aller Empfänger gleichschalten und dabei die Empfänger füreinander blind machen und daß sie dabei realer wirken als alle übrigen Informationen, die wir durch andere Medien (inklusive unserer Sinne) empfangen. Das erste besagt, daß wir den Bildern verantwortungslos , aller Antwort unfähig, gegenüberstehen. Das zweite, daß wir dabei sind zu verdummen, zu vermassen und allen menschlichen Kontakt zu verlieren. Und das dritte, daß wir die weitaus meisten Erlebnisse, Kenntnisse, Urteile und Entscheidungen den Bildern zu verdanken haben, daß wir demnach von den Bildern existenziell abhängig sind.

so, und das schreibt flusser im jahr 1991. man möchte ihn einen visionär nennen, wäre der begriff nicht abgedroschen. aber wie soll man die „einäugigen unter blinden“ (jetzt mal um eine ziffer versetzt) nennen? hinseher …

to be continued …

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